Tanztheater Wuppertal bringt Pina Bauschs „Nelken“ zurück auf die Bühne

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Mit der Wiederaufnahme von „Nelken“ kehrt eines der bekanntesten Werke von Pina Bausch auf die Bühne des Wuppertaler Opernhauses zurück. Das Tanztheaterstück, das Anfang der 1980er Jahre entstand, beeindruckt bis heute durch seine unverwechselbare Bildsprache und seine intensive Auseinandersetzung mit menschlichen Beziehungen, Sehnsüchten und gesellschaftlichen Zwängen.

Prägend für die Inszenierung ist das Bühnenbild von Peter Pabst. Tausende rote und weiße Nelken verwandeln die Bühne in ein weitläufiges Blumenfeld, das als Sinnbild für Liebe, Verletzlichkeit und zwischenmenschliche Verstrickungen dient. Zwischen den Blüten entfaltet sich ein vielschichtiges Zusammenspiel aus Tanz, Musik und szenischen Bildern.

Die aktuelle Neueinstudierung wird von einer jüngeren Generation des Tanztheaters getragen, die dem Werk eigene Akzente verleiht, ohne dessen charakteristische Handschrift zu verlieren. Für die künstlerische Kontinuität sorgen die langjährigen Ensemblemitglieder Silvia Farias Heredia und Eddie Martinez, die die Probenleitung übernommen haben.

Bei der Aufführung im ausverkauften Opernhaus verbanden sich Bewegung, Musik und Bühnenbild erneut zu einer geschlossenen Einheit. Wiederkehrende musikalische Motive strukturieren die lose miteinander verbundenen Szenen und verleihen dem Abend einen erzählerischen Rahmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die unterschiedlichen Facetten menschlicher Beziehungen – von Nähe, Zuneigung und Sehnsucht bis hin zu Angst, Kontrolle und Ausgrenzung.

Mehrfach schlägt die Inszenierung einen ernsten Ton an. Szenen der Verfolgung, Bedrohung und Demütigung verdeutlichen, wie äußere Einflüsse persönliche Freiräume einschränken können. Besonders eindringlich wirken Momente, in denen Machtverhältnisse sichtbar werden und Figuren gezwungen sind, sich autoritären Forderungen zu unterwerfen. Die Darstellung eines Grenzbeamten, der Menschen kontrolliert und zu erniedrigenden Handlungen zwingt, zählt zu den prägnantesten Bildern des Abends.

Dem gegenüber stehen zahlreiche Szenen, die von Humor und Fantasie geprägt sind. Spielerisch setzt sich das Ensemble mit zwischenmenschlichen Unsicherheiten, Liebeskummer und alltäglichen Situationen auseinander. Immer wieder entstehen Momente leiser Komik, die den ernsteren Passagen entgegenwirken und dem Stück zusätzliche Vielschichtigkeit verleihen.

Besondere Aufmerksamkeit erhält Naomi Brito, die sich als markante Interpretin innerhalb des Ensembles präsentiert. Mit vorsichtigen und zugleich kraftvollen Bewegungen durchquert sie das Nelkenfeld und gestaltet zentrale choreografische Sequenzen. Aus ihren Bewegungen entwickelt sich eine Gruppenformation, die sich über die gesamte Bühne ausbreitet und zu den eindrucksvollsten Bildern der Aufführung zählt.

Im letzten Teil des Stücks treten die Mitglieder des Ensembles stärker als Persönlichkeiten in Erscheinung. Sie geben Einblicke in ihre Beweggründe für den Tanz und offenbaren individuelle Lebensgeschichten, Erfahrungen und Entscheidungen. Dabei entsteht ein persönlicher Bezug, der die Themen des Abends um eine biografische Ebene erweitert.

Auch die Einbindung des Publikums spielte bei der Aufführung eine wichtige Rolle. Bereits zu Beginn suchten einzelne Darsteller den direkten Kontakt zu den Besuchern und bezogen sie in das Bühnengeschehen ein. Zum Abschluss wurde diese Verbindung erneut aufgegriffen, als das Publikum zu einer gemeinsamen Geste der Nähe eingeladen wurde. Zahlreiche Besucher beteiligten sich daran und sorgten für einen bewegenden Ausklang des Abends.

Die Wiederaufnahme von „Nelken“ ist erneut im Opernhaus Wuppertal zu sehen. Weitere Aufführungen finden am Sonntag statt. Ende Juni steht zudem mit „Sweet Mambo“ eines der letzten Werke von Pina Bausch auf dem Spielplan.

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