Wuppertal. Die anhaltende Hitze und der fehlende Niederschlag setzen den landwirtschaftlichen Betrieben in Wuppertal und der Region deutlich zu. Neben teils erheblichen Ertragseinbußen verschärfen hohe Betriebskosten und schwankende Erzeugerpreise die wirtschaftliche Lage. Nach Einschätzung örtlicher Landwirte dürfte sich das Ausmaß der Schäden bei mehreren Kulturen erst in den kommenden Wochen vollständig zeigen.
Auch bundesweit fällt die Bilanz für die Landwirtschaft in diesem Jahr schwächer aus. Der Deutsche Bauernverband erwartet 2026 eine Getreideernte von rund 41,9 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von sieben Prozent gegenüber den 45,2 Millionen Tonnen des Vorjahres. Der durchschnittliche Ertrag aller Getreidearten liegt demnach bei 68,9 Dezitonnen je Hektar und damit neun Prozent unter dem Wert von 2025.
Mais besonders stark betroffen
Carsten Bröcker bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie das Gut zur Linden im Krutscheider Bachtal in Vohwinkel. Er beobachtet insbesondere auf den flachgründigen Böden des Bergischen Landes erhebliche Schäden. Die Hitzeperiode vor rund sieben Wochen habe Pflanzen teilweise so stark beeinträchtigt, dass die oberirdischen Pflanzenteile vertrockneten.
Besonders problematisch sei die Situation beim Mais. Bei einem erheblichen Teil der Bestände sei die Entwicklung mangelhaft. Teilweise seien die Pflanzen nicht ausreichend befruchtet worden und hätten kaum Körner ausgebildet. Bröcker rechnet deshalb mit einem Rückgang der Maisernte um etwa 30 bis 40 Prozent. Für seinen Betrieb ist das besonders relevant, weil rund 300 Rinder mit Mais gefüttert werden.
Neben der Menge bereitet ihm vor allem die Qualität des Futters Sorgen. Auch bei der Grassilage fällt die Bilanz deutlich schlechter aus als üblich. Statt drei bis vier Schnitten im Jahr seien voraussichtlich nur zwei möglich. Nach zunächst noch normalem Wachstum habe sich der Ertrag anschließend deutlich reduziert.
Bröcker hält die aktuellen Prognosen des Deutschen Bauernverbands deshalb für eher zurückhaltend. Gleichzeitig seien die Kosten für Diesel und Dünger erheblich gestiegen, während die Erlöse für Milch und Fleisch unter Druck stünden. Für viele Betriebe verschärfe sich damit die wirtschaftliche Belastung auf mehreren Seiten.
Getreideernte im Rheinland rückläufig
Martin Dahlmann, Milchbauer und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, zu der auch Wuppertal gehört, bewertet die diesjährige Ernte als eine der schwächsten der vergangenen zehn Jahre. Im Rheinland bleibt Getreide die bedeutendste Ackerkultur. Die Erntemenge wird hier mit rund 1,1 Millionen Tonnen angegeben und liegt damit etwa 14 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Beim Weizen sei die Ernte trotz der extremen Temperaturen und des Niederschlagsmangels vergleichsweise glimpflich ausgefallen. Allerdings habe die Trockenheit die Qualität beeinträchtigt.
Noch kritischer ist die Lage beim Futterbau. An einzelnen Standorten werden bereits erhebliche Ertragseinbußen bis hin zu vollständigen Ausfällen erwartet. Wie hoch der wirtschaftliche Schaden für die einzelnen Betriebe ausfällt, lasse sich teilweise erst im weiteren Jahresverlauf beurteilen.
Bauern fordern weniger Bürokratie
Dahlmann sieht insbesondere bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf. Die Produktionskosten dürften nicht durch zusätzliche Vorgaben weiter steigen. Aus seiner Sicht ist vor allem ein Abbau bürokratischer Belastungen erforderlich.
Darüber hinaus fordert die Kreisbauernschaft einen sogenannten Risikoausgleichspool. Landwirtschaftliche Betriebe sollen in ertragreichen Jahren steuerfrei Rücklagen bilden können, um diese bei schlechten Ernten zur Sicherung der Liquidität einzusetzen. Für die Umsetzung seien aus Sicht Dahlmanns Kommunen, Land, Bund und Europäische Union gleichermaßen gefordert.
Gerade für die zahlreichen Wuppertaler Betriebe, die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben, werde die wirtschaftliche Situation zunehmend schwierig. Wenn Erträge sinken und gleichzeitig Kosten steigen, könne sich der Aufwand für diese Betriebe langfristig kaum noch rechnen.
Konkurrenz durch Importe
Zusätzlichen Druck erzeugt nach Einschätzung der Bauern die Konkurrenz durch importierte Lebensmittel. Viele Verbraucher seien nicht bereit, die Preise zu bezahlen, die für eine wirtschaftlich tragfähige heimische Produktion erforderlich seien. Deshalb würden Obst und Gemüse häufig aus dem Ausland bezogen.
Dahlmann berichtet von einem regionalen Betrieb, der angebauten Salat schließlich unterpflügen ließ, weil sich kein Abnehmer zu einem auskömmlichen Preis gefunden habe. Die Ernte einzubringen wäre demnach teurer gewesen als der Verzicht auf die Vermarktung.
Sorge um Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben
Besonders aufmerksam verfolgen die Landwirte die Entwicklung der noch auf den Feldern stehenden Herbstkulturen. Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln leiden nach Einschätzung Dahlmanns stark unter der lang anhaltenden Trockenheit. Die jüngsten Niederschläge könnten die Schäden nicht mehr vollständig ausgleichen, da sie für die Entwicklung der Pflanzen zu spät gekommen seien.
Für diese Kulturen werden deshalb ebenfalls deutliche Ertragseinbußen erwartet.
Trockenheit belastet Wuppertals Landwirtschaft erheblich
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