Talsperren sichern den Fluss in der Trockenheit
Die Wupper kommt bislang vergleichsweise gut durch den trockenen Sommer. Während die Pegelstände zahlreicher Flüsse in Deutschland deutlich gesunken sind, verhindern die Talsperren im Wuppergebiet ein extremes Absinken der Wasserführung. Der Wupperverband steuert die Abgaben aus den Speichern so, dass der Fluss auch während längerer Hitze- und Trockenperioden ausreichend Wasser führt.
Davon profitieren nicht nur Städte und Industrie, sondern vor allem das Ökosystem des Flusses. Die Wupper hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem stark belasteten Gewässer zu einem Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Eisvögel und Biber gehören inzwischen wieder zum Bild entlang des Flusses.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Niedrigwasseraufhöhung. In Trockenperioden wird zusätzliches Wasser aus den Wupper-, Bever-, Brucher- und Lingese-Talsperren in die Wupper abgegeben. Dadurch bleiben Wasserführung und ökologische Bedingungen auch dann vergleichsweise stabil, wenn natürliche Zuflüsse ausbleiben.
Wasservorräte sind begrenzt
Doch auch dieses System hat Grenzen. Die Wupper-Talsperre ist derzeit nur noch zu 28 Prozent gefüllt. Je länger eine Trockenperiode andauert, desto stärker sinken die verfügbaren Reserven.
Solange Wasser aus den Talsperren abgegeben werden kann, lässt sich ein kritischer Niedrigwasserstand zumindest abmildern. Ohne diese Unterstützung würde sich die Situation im Fluss deutlich verschärfen. Fische können einen gewissen Rückgang der Wasserführung verkraften und sich in tieferen Bereichen des Flussbetts zurückziehen. Bei extremem Niedrigwasser geraten die Tiere jedoch zunehmend unter Stress.
Besonders problematisch sind steigende Wassertemperaturen und gleichzeitig sinkende Sauerstoffwerte. Diese Kombination verschlechtert die Lebensbedingungen für Fische und andere Wasserorganismen erheblich. Hält die Belastung zu lange an, kann es zu Fischsterben kommen.
Im Extremfall bliebe vor allem gereinigtes Abwasser
Sollten die Wasservorräte der Talsperren vollständig aufgebraucht sein und gleichzeitig kein nennenswerter Niederschlag fallen, könnte die Wupper stellenweise trockenfallen. Die verbleibende Wasserführung würde dann zu einem erheblichen Teil aus gereinigtem Abwasser bestehen, das aus Kläranlagen in den Fluss gelangt.
Besonders kritisch wäre die Situation bei anhaltender Hitze. Kleine verbliebene Wasserflächen würden sich stark erwärmen und dadurch weniger Sauerstoff enthalten. Empfindliche Arten wie Forellen und Lachse wären davon besonders betroffen, da sie auf vergleichsweise kühle und sauerstoffreiche Gewässer angewiesen sind.
Auch die Nahrungsgrundlage der Fische würde leiden. Bei extremen Bedingungen geht die Zahl der Kleinstlebewesen im Wasser zurück. Ein Fischsterben wäre in einem solchen Szenario sehr wahrscheinlich. Je nach Stärke der Schädigung könnte es mehrere Jahre dauern, bis sich die Fischbestände wieder erholen und betroffene Arten das Gewässer erneut besiedeln.
Ein nahezu vollständiges Austrocknen hätte damit weitreichende Folgen für das gesamte Flussökosystem. Betroffen wären nicht nur Fische, sondern sämtliche Lebensgemeinschaften, die auf die Wupper als dauerhaftes Fließgewässer angewiesen sind.
Planung bleibt wegen des Wetters schwierig
Wie viel Wasser im Sommer tatsächlich in die Wupper gelangt, lässt sich nur begrenzt im Voraus bestimmen. Niederschläge und Zuflüsse können zuverlässig lediglich für einen Zeitraum von ungefähr zwei Wochen prognostiziert werden. Der Wupperverband muss deshalb flexibel auf die jeweilige Wetter- und Abflusssituation reagieren.
Die Messwerte der vergangenen trockenen Monate zeigen demnach bislang nicht, dass die Wupper unmittelbar vor dem Austrocknen steht. Die ökologischen Bedingungen können sich bei zunehmender Hitze und sinkenden Wasserständen allerdings deutlich verschlechtern.
Die Talsperren können vor allem die verfügbare Wassermenge beeinflussen. Gegen andere Belastungen wie hohe Luft- und Wassertemperaturen oder intensive Sonneneinstrahlung können sie nur begrenzt wirken. Sollten Dürre- und Hitzeperioden künftig häufiger und länger auftreten, könnte dies insbesondere die Entwicklung temperaturempfindlicher Fischarten beeinträchtigen.
Wasserhaushalt wird zur zentralen Anpassungsaufgabe
Der Umgang mit zunehmender Trockenheit gewinnt damit für die Region weiter an Bedeutung. Neben der Begrenzung der Erderwärmung sind nach Einschätzung des Wupperverbands Anpassungen in der Wasserwirtschaft erforderlich.
Dazu gehören eine stärkere Rückhaltung von Wasser in der Landschaft, die Renaturierung von Gewässern sowie eine klimaangepasste Gestaltung von Städten und Freiflächen. Ziel ist es, Niederschlagswasser länger in der Fläche zu halten und die natürlichen Wasserhaushalte zu stabilisieren.
Auch ein bewusster Umgang mit der Ressource Wasser wird angesichts zunehmender Trockenperioden wichtiger. Die vorhandenen Talsperren verschaffen der Wupper zwar einen erheblichen Vorteil gegenüber Gewässern ohne vergleichbare Speicher. Ihre Reserven sind jedoch begrenzt.
Wenn der Wupper das Wasser ausgeht
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