Neue Begräbnisstätte soll im Frühjahr 2027 eröffnet werden – Anlage entsteht neben einem christlichen und einem jüdischen Friedhof
In Wuppertal entsteht eine bundesweit bislang einzigartige Begräbnisstätte: Erstmals wird in Deutschland ein eigenständiger muslimischer Friedhof eingerichtet. Das Gelände befindet sich unmittelbar neben einem christlichen und einem jüdischen Friedhof. Damit soll ein Ort entstehen, an dem die unterschiedlichen Bestattungstraditionen nebeneinander bestehen und zugleich Möglichkeiten der Begegnung geschaffen werden.
Die Initiative geht auf den Verein Muslimische Friedhöfe Wuppertal (MFW) zurück. Bereits vor 18 Jahren entwickelte dessen Vorsitzender Samir Bouaissa die Idee, Muslimen eine dauerhafte Bestattungsmöglichkeit an ihrem Lebensmittelpunkt zu ermöglichen. Bislang mussten viele Verstorbene in die Herkunftsländer ihrer Familien überführt werden. In Deutschland gab es zwar muslimische Grabfelder auf kommunalen Friedhöfen, jedoch keine eigenständige Anlage dieser Art.
Insbesondere für Angehörige der zweiten und dritten Einwanderergeneration gewinnt eine Bestattung am eigenen Wohnort zunehmend an Bedeutung. Die Überführung ins Ausland erschwert den Hinterbliebenen regelmäßige Besuche an den Gräbern ihrer Familienangehörigen. Mit dem neuen Friedhof soll deshalb die Möglichkeit geschaffen werden, auch nach dem Tod in der vertrauten Umgebung und in unmittelbarer Nähe zur Familie zu bleiben.
Religiöse Anforderungen an die Bestattung
Eine zentrale Voraussetzung für viele Muslime ist die dauerhafte Wahrung der Totenruhe. Häufig besteht die Sorge, dass das deutsche Bestattungsrecht mit seinen zeitlich begrenzten Ruhefristen im Widerspruch zu religiösen Vorstellungen steht. Dabei bedeutet der islamische Anspruch auf eine ewige Ruhestätte nicht zwangsläufig, dass ein Grab dauerhaft unverändert erhalten bleiben muss. Maßgeblich ist vielmehr, dass die sterblichen Überreste an ihrem Bestattungsort verbleiben und die Totenruhe respektiert wird.
Für die neue Anlage ist zunächst eine Mindestliegezeit von 30 Jahren vorgesehen. Anschließend sollen Grabstätten verlängert oder nach Abschluss des Verwesungsprozesses erneut belegt werden können.
Auch die Gestaltung der Bestattungen orientiert sich an islamischen Traditionen. Üblicherweise wird der Verstorbene zunächst rituell mit Wasser gewaschen und anschließend in Leinentücher gehüllt. Die Beisetzung erfolgt traditionell ohne Sarg. Vor der Bestattung wird ein gemeinschaftliches Totengebet gesprochen, das nicht zwingend auf dem Friedhof stattfinden muss.
Gesetzliche Hürden verzögerten die Umsetzung
Die lange Vorbereitungszeit war insbesondere auf rechtliche Einschränkungen zurückzuführen. Ursprünglich erlaubte das nordrhein-westfälische Bestattungsgesetz keine Friedhöfe in muslimischer Trägerschaft. Erst eine Gesetzesänderung im Jahr 2014 schuf die Voraussetzungen für ein entsprechendes Modell. Dabei wurde eine Konstruktion ermöglicht, bei der eine Kommune einen Friedhof gründet und dessen Betrieb anschließend einem Verein überträgt.
Diese Regelung soll gewährleisten, dass die langfristige Unterhaltung der Anlage gesichert bleibt und die Stadt nicht dauerhaft für einen Friedhof verantwortlich wird, dessen Träger den Betrieb möglicherweise nicht mehr gewährleisten kann.
Neben den rechtlichen Schwierigkeiten belasteten auch bauliche Probleme den Zeitplan. Ein Erdrutsch infolge eines Hochwasserereignisses führte zu zusätzlichen Verzögerungen. Darüber hinaus musste der Verein Bedenken aus der Nachbarschaft aufgreifen und in Gesprächen ausräumen. Grundsätzlichen Widerstand gegen das Vorhaben gebe es nach Einschätzung des Vereinsvorsitzenden inzwischen nicht mehr.
Noch fehlen rund 350.000 Euro
Auch die Finanzierung des Projekts ist noch nicht vollständig gesichert. Die Stadt Wuppertal beteiligt sich mit 200.000 Euro. Der Verein, der das Grundstück erworben hat, muss darüber hinaus einen Eigenanteil von rund 500.000 Euro aufbringen. Davon fehlen derzeit noch etwa 350.000 Euro. Der MFW setzt deshalb auf weitere Spenden, um die geplanten Arbeiten ohne größere Verzögerungen fortsetzen zu können.
Im ersten Bauabschnitt stehen zunächst die Erschließung des Geländes und die Herstellung der notwendigen Wege im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Anlage so weit fertigzustellen, dass dort Bestattungen möglich sind. Der Abschluss dieses Bauabschnitts ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.
Bei der Gestaltung der Grabstätten setzt der Verein auf einheitliche und bewusst zurückhaltende Formen. Soziale Unterschiede sollen auf der Anlage nicht sichtbar werden. Die Friedhofsgestaltung soll insgesamt schlicht, offen und einladend ausfallen.
Begegnungsstätte für drei Religionsgemeinschaften geplant
In späteren Bauabschnitten sind eine Trauerhalle und ein zentraler Begegnungsplatz vorgesehen. Dieser soll von allen drei angrenzenden Friedhöfen aus erreichbar sein. Auch ein gemeinsamer Zugang ist denkbar. Besucher könnten sich dort über die unterschiedlichen religiösen Bestattungsformen informieren und mehr über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Glaubensgemeinschaften erfahren.
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen gemeinsamen Friedhof. Die muslimische, christliche und jüdische Begräbnisstätte bleiben rechtlich und organisatorisch eigenständige Einrichtungen mit jeweils unterschiedlichen Betreibern. Gemeinsame Wege, Eingänge und Aufenthaltsbereiche sollen lediglich die räumliche Verbindung ermöglichen, ohne die jeweiligen religiösen Vorschriften und Traditionen anzutasten.
Rund 1300 Grabstätten vorgesehen
Das Interesse an der neuen Begräbnisstätte ist bereits groß. Dem Verein liegen zahlreiche Anfragen für Grabplätze vor, auch aus dem Umland. Allein in Wuppertal leben nach Schätzungen des MFW rund 40.000 Menschen muslimischen Glaubens. Auf dem Gelände sind zunächst etwa 1300 Grabstätten vorgesehen. Angesichts der Nachfrage könnte die Kapazität vergleichsweise schnell ausgeschöpft sein.
Noch ungeklärt ist, ob künftig auch Muslime aus anderen Städten auf dem Gelände bestattet werden dürfen. Eine entsprechende Entscheidung steht bislang aus.
Die Einweihung der Anlage ist nach derzeitiger Planung für April oder Mai 2027 vorgesehen. Kurz darauf sollen die ersten Bestattungen stattfinden. Für den Zentralrat der Muslime in Deutschland ist das Vorhaben von besonderer Bedeutung: Samir Bouaissa, der neben seiner Funktion beim Friedhofsverein auch den Landesvorsitz des Zentralrats innehat, begleitet das Projekt seit seinen Anfängen.
Wuppertal erhält ersten eigenständigen muslimischen Friedhof Deutschlands
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