Wuppertal. Die langjährige Sportfunktionärin und ehemalige Lehrerin Bärbel Vitt blickt auf ein außergewöhnliches Engagement im deutschen Sport zurück. Als Leiterin der deutschen Jugenddelegation nahm sie an insgesamt fünf Olympischen Spielen teil und verbindet mit diesen Erfahrungen eine klare Überzeugung: Eine Austragung der Spiele in der Rhein-Ruhr-Region würde auch Wuppertal nachhaltig stärken.
Vitt, die über Jahrzehnte hinweg sowohl im Schuldienst als auch in der Vereins- und Verbandsarbeit aktiv war, misst den Olympischen Spielen eine weit über den Leistungssport hinausgehende Bedeutung bei. Neben den sportlichen Wettbewerben hebt sie insbesondere die kulturellen Aspekte hervor, die traditionell eng mit dem olympischen Gedanken verknüpft sind. In diesem Zusammenhang sieht sie für Wuppertal spezifische Potenziale, etwa durch seine kulturelle Infrastruktur und die international einzigartige Schwebebahn, die für Besucher und Teilnehmer gleichermaßen einen bleibenden Eindruck hinterlassen könnte.
Die heute 88-Jährige begann ihre sportliche Laufbahn Mitte der 1950er Jahre bei der Cronenberger Turngemeinde, wo sie später auch als Trainerin und Jugendwartin tätig war. Nach dem Studium der Fächer Sport und Musik in Köln arbeitete sie 36 Jahre lang als Gymnasiallehrerin in Gevelsberg. Parallel dazu engagierte sie sich intensiv in der Jugendarbeit des organisierten Sports und übernahm schließlich führende Positionen auf Bundesebene, unter anderem als Vorsitzende der Deutschen Turnjugend.
Ihr erster Einsatz bei Olympischen Spielen erfolgte 1972 in München, wo sie die Leitung der deutschen Jugenddelegation übernahm. In den darauffolgenden Jahren wurde sie aufgrund ihrer erfolgreichen Arbeit erneut berufen und begleitete die Delegation auch zu den Spielen in Montreal, Lake Placid, Los Angeles und Seoul. Die Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 20 Jahren lebten während der Spiele in eigenen Unterkünften und nutzten die Gelegenheit zum internationalen Austausch, der vor allem durch eine gemeinsame Sprache und vielfältige Begegnungen geprägt war.
Besonders prägend waren für Vitt die Spiele in Los Angeles 1984, die sie rückblickend als Höhepunkt ihrer olympischen Erfahrungen beschreibt. Dort war die Jugenddelegation in einem College untergebracht und profitierte von einem umfangreichen kulturellen und gemeinschaftlichen Programm. Die Spiele in Seoul wiederum verdeutlichten für sie die Herausforderungen interkultureller Verständigung und eröffneten neue Perspektiven auf den Umgang mit kultureller Fremdheit.
Mit Blick auf die Entwicklung der Olympischen Spiele äußert Vitt auch kritische Beobachtungen. So habe sich die Ausrichtung von Eröffnungs- und Abschlussfeiern zunehmend an medialen Anforderungen orientiert, während die Bedürfnisse der Sportler in den Hintergrund rückten. Gleichzeitig erinnert sie an historische Ursprünge der Spiele, in denen sportlicher Wettbewerb und kultureller Austausch untrennbar miteinander verbunden waren.
Für ihr langjähriges Engagement wurde Vitt 1980 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bis ins hohe Alter blieb sie dem Sport treu und leitete zuletzt eine Seniorenturngruppe. Auch wenn sie diese Tätigkeit inzwischen aufgegeben hat, bleibt ihr Lebenswerk eng mit der Förderung von Bewegung, Gemeinschaft und internationaler Verständigung verbunden.
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Wtotal/CCA