Der Bund der Steuerzahler führt in seinem aktuellen Schwarzbuch zwei Projekte aus dem Bergischen Land als Beispiele für aus seiner Sicht problematische öffentliche Ausgaben auf. Betroffen sind die Neugestaltung der Fußgängerzone Werth in Wuppertal und die „Gläserne Werkstatt“ in Solingen.
Wuppertaler Fußgängerzone deutlich teurer als geplant
In Wuppertal steht der sogenannte Kulturteppich im Mittelpunkt der Kritik. Die Umgestaltung der Fußgängerzone Werth war ursprünglich mit Baukosten von rund fünf Millionen Euro kalkuliert. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes sind daraus inzwischen etwa 15 Millionen Euro geworden.
Ein wesentlicher Kostenfaktor war die zunächst vorgesehene Verwendung von Natursteinplatten. Bereits bei der Ausschreibung kam es zu Fehlern, die zusätzliche Kosten in sechsstelliger Höhe verursachten. Anschließend stellte sich heraus, dass die gelieferten Natursteine für den vorgesehenen Einsatz nicht geeignet waren.
Im weiteren Bauverlauf entschied sich die Stadt deshalb für hochwertige Betonsteine. Nach Einschätzung des Bundes der Steuerzahler hätte eine frühzeitige Entscheidung für dieses Material erhebliche Kosten vermeiden können.
Geringe Besucherzahlen in der „Gläsernen Werkstatt“
Auch ein Projekt in Solingen findet sich im Schwarzbuch wieder. Die Stadt mietete 2022 ein ehemaliges Modehaus an und ließ das Gebäude für rund 1,7 Millionen Euro zur „Gläsernen Werkstatt“ umbauen. Rund 90 Prozent der Investitionssumme wurden nach Angaben des Steuerzahlerbundes durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union gefördert.
Das Gebäude bietet unter anderem ein Reparaturcafé, Kreativkurse und wechselnde Veranstaltungen. Die Besucherzahlen blieben nach Berechnungen des Steuerzahlerbundes jedoch niedrig. Für 2025 wurden demnach durchschnittlich 15 Besucher je Öffnungstag registriert. Im Jahr 2024 waren es lediglich fünf.
Auf Grundlage der laufenden Kosten und der ermittelten Besucherzahlen errechnete der Bund der Steuerzahler für 2025 Kosten von rund 90 Euro pro Besucher. Nach seiner Einschätzung wird das Ziel, mit dem Projekt zur Belebung der Solinger Innenstadt beizutragen, bislang nicht in dem erwarteten Umfang erreicht.
Wuppertal und Solingen erneut im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes
Daniel H/CCA