Verkehrswende im ÖPNV: Wuppertal belegt im bundesweiten Vergleich einen der hinteren Plätze. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert den geringen Anteil batterieelektrischer Busse, während die Stadtwerke auf die Vorteile ihrer Wasserstoffflotte verweisen.
Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) stehen wegen ihrer Strategie zur Umstellung des Busverkehrs auf alternative Antriebe in der Kritik. In einem bundesweiten Vergleich der Deutschen Umwelthilfe (DUH) belegt Wuppertal unter den 39 größten deutschen Städten den drittletzten Rang. Ausschlaggebend sind der weiterhin hohe Einsatz von Dieselbussen und das Fehlen batterieelektrischer Fahrzeuge. Stattdessen setzen die Stadtwerke verstärkt auf Wasserstoffbusse, deren Klimabilanz und Wirtschaftlichkeit die Umwelthilfe kritisch bewertet.
Umwelthilfe sieht Nachteile bei Wasserstoff
Nach Einschätzung der DUH ist Wasserstoff für den klimafreundlichen Busverkehr nur dann eine überzeugende Lösung, wenn er aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. In Deutschland stammt Wasserstoff jedoch überwiegend aus fossilen Quellen. Die Organisation hält es deshalb für sinnvoller, den begrenzt verfügbaren grünen Wasserstoff vor allem in Wirtschaftsbereichen einzusetzen, in denen eine direkte Nutzung von Strom kaum möglich ist.
Darüber hinaus bewertet die Umwelthilfe Wasserstoffbusse gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen als wirtschaftlich weniger attraktiv. Die schlechte Platzierung Wuppertals soll verdeutlichen, dass die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs bislang nicht weit genug vorangeschritten ist und der Einsatz von Verbrennungsmotoren den Umstieg auf klimafreundliche Antriebe weiterhin verzögert.
WSW verweisen auf die besonderen Anforderungen des Stadtgebiets
Die Stadtwerke halten an ihrer Entscheidung fest, bereits 2019 auf Wasserstofftechnologie gesetzt zu haben. Ausschlaggebend seien insbesondere die topografischen Bedingungen Wuppertals und die Anforderungen des örtlichen Busbetriebs gewesen. Aus Sicht der WSW greift ein Vergleich zu kurz, wenn ausschließlich batterieelektrische Busse als Maßstab für die Dekarbonisierung gelten und Wasserstofffahrzeuge unberücksichtigt bleiben.
Die Wasserstoffbusse verursachen während der Fahrt keine lokalen Abgasemissionen und können nach Darstellung der Stadtwerke zur Verringerung der CO₂-Belastung im öffentlichen Nahverkehr beitragen. Für die Versorgung der Fahrzeuge nutzen die WSW zwei Bezugsquellen: Wasserstoff aus der örtlichen Abfallverwertung durch die Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal (AWG) sowie angelieferten Wasserstoff, der nach Angaben des Unternehmens ausschließlich mithilfe erneuerbarer Energien erzeugt wird.
Mehr als 50 Wasserstoffbusse im Einsatz
Derzeit umfasst die Wasserstoffflotte der WSW 52 Fahrzeuge. Damit macht sie etwas mehr als ein Sechstel des gesamten Busbestands aus. Für die Technologie sprechen aus Sicht des Unternehmens vor allem die kurzen Betankungszeiten und die Reichweite: Innerhalb von etwa zehn bis zwölf Minuten können die Busse betankt werden und anschließend rund 350 bis 400 Kilometer zurücklegen. Das ermögliche einen flexiblen Einsatz auch auf anspruchsvollen Strecken.
Die Umstellung der gesamten Busflotte ist mit erheblichen Ausgaben für Fahrzeuge und die notwendige Infrastruktur verbunden. Die WSW betrachten deshalb langfristig verlässliche Förderprogramme von Bund und Land als wesentliche Voraussetzung, um alternative Antriebe wirtschaftlich in größerem Umfang einzuführen.
Weitere Antriebstechnologien bleiben im Blick
Die Stadtwerke verfolgen nach eigenen Angaben weiterhin das Ziel, den öffentlichen Nahverkehr schrittweise klimafreundlicher zu gestalten. Der Ausbau der Wasserstoffflotte soll dazu beitragen. Gleichzeitig beobachten die WSW die technische Entwicklung batterieelektrischer Busse und schließen weitere emissionsfreie Antriebskonzepte nicht aus.
Welche Technologie künftig stärker zum Einsatz kommt, wollen die Stadtwerke anhand ihrer betrieblichen Anforderungen sowie wirtschaftlicher und ökologischer Kriterien beurteilen. Dabei stehen die Zuverlässigkeit des Busverkehrs, die langfristige Nachhaltigkeit und die Kosten des Betriebs im Mittelpunkt.
Wuppertaler Stadtwerke verteidigen Wasserstoffstrategie gegen Kritik der Umwelthilfe
DanielH/CCA