Wuppertal – Anlässlich des bundesweiten Tages des Geotops öffnete die Stadt Wuppertal in Kooperation mit dem Arbeitskreis Kluterthöhle die Hardtkaverne für Besucher. Die angebotenen Führungen stießen auf großes Interesse und waren innerhalb kurzer Zeit ausgebucht.
Ein Blick in Millionen Jahre Erdgeschichte
Unter der Leitung des Geologen und Ressortleiters für Umweltschutz, Hubert Leonard Nobis, erhielten die Teilnehmer Einblicke in die geologische Entwicklung der Region. Vor hunderten Millionen Jahren herrschten im heutigen Bergischen Land subtropische Bedingungen, das Gebiet lag am Rand eines warmen Meeres. In den Gesteinsschichten an den Hängen der Hardt sind noch heute Spuren von Korallenriffen erkennbar.
Die Erdgeschichte des Raumes weist markante Unterschiede auf: Laut geologischer Karte beträgt die Altersdifferenz zwischen den Gesteinen im Norden und Süden Wuppertals rund 80 Millionen Jahre. Eine zentrale Rolle spielt der Massenkalk, der aus Korallenriffen entstand und eine bis zu 500 Meter mächtige Schicht bildet. Dieser hochreine Kalkstein wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Steinbrüchen gewonnen und bildete die Grundlage für die Belieferung der Ruhrgebiets-Industrie. Aus den ersten kleineren Brüchen entwickelte sich später der großangelegte Kalkabbau, etwa durch das Unternehmen Oetelshofen in Wuppertal-Hahnenfurth.
Die Entstehung der Höhlenräume
Unterhalb des Grundwasserspiegels löste Wasser über Jahrtausende hinweg den Kalkstein, wodurch ein verzweigtes Höhlensystem entstand. Dieses erstreckt sich über mehrere Kilometer und gliedert sich in drei Komplexe auf unterschiedlichen Tiefenebenen. Bis in die 1980er Jahre waren die Zugänge frei zugänglich. In dieser Zeit kam es jedoch zu erheblichem Raubbau an Stalaktiten und Kristallbildungen.
Die Hardtkaverne als Relikt des Kalten Krieges
Die eigentliche Führung führte in die künstlich angelegte Hardtkaverne, die in den 1960er Jahren durch Sprengungen entstand. Das 230 Meter lange Stollensystem liegt rund 80 Meter unter der Hardt. Ursprünglich war vorgesehen, hier ein Kavernenkraftwerk zu errichten, das im Falle eines Atomschlags eine unabhängige Stromversorgung hätte sichern sollen. Für dieses Vorhaben waren 46 Millionen D-Mark eingeplant, umgesetzt wurde es jedoch nie. Heute dienen die Gänge als Anschauungsobjekt für geologische Führungen, in denen farbige Ablagerungen von Eisen, Mangan und Kalk die Wände zeichnen.
Der Arbeitskreis Kluterthöhle
Seit seiner Gründung im Jahr 1976 widmet sich der Verein Arbeitskreis Kluterthöhle der Erforschung und Dokumentation von Höhlen im Bergischen Land und im Sauerland. Der Verein betreut rund 300 Höhlen, darunter auch Objekte, die für Baugrunduntersuchungen von Bedeutung sind. Regelmäßig beauftragen Kommunen und der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalens die ehrenamtlich tätigen Experten mit Vermessungen und Gutachten.
Rund 200 Mitglieder gehören dem Verein an, etwa ein Viertel ist aktiv in der Höhlenforschung tätig. Das Engagement erfordert neben körperlicher Fitness auch spezielles Wissen in Kletter- und Sicherungstechniken. Besonders schmale Gänge von nur wenigen Dezimetern verlangen den Forschern höchste Konzentration und Durchhaltevermögen ab.
Wuppertals verborgene Erdgeschichte: Führungen in der Hardtkaverne
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