Zoo – Parkhaus mit Katastrophengefahr

Foto: Atamari, CC BY-SA 3.0)

Ein Kommentar von Manfred Alberti

Da hatten einige Abgeordnete im Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen kein gutes Gefühl: Sie sollten am 27.März 2025 alleine nach Beschreibungen und Zeichnungen die Pläne für ein riesiges Parkhaus auf dem Zoo-Parkplatz einfach so abnicken. Doch vielleicht hatte einer von Ihnen auf das Datum der Verwaltungsvorlage geschaut und sich geärgert: 25. Nov. 2024. Und erst jetzt, drei Monate nach der Erstellung der Vorlage, drei Wochen vor der entscheidenden Stadtratssitzung bekommen sie das Papier zugeleitet. Hätten Sie und die Bürger nicht ein Vierteljahr Zeit haben können, über diese wichtigen und stadtbildprägenden Pläne nachzudenken, sich die Wirklichkeit am Zoo anzuschauen und evtl. andere Vorschläge zu entwickeln? Nein, das sollte niemand. Aber jetzt soll der Ausschuss in aller Hektik den Vorschlägen der Verwaltung und des OB zustimmen. 28 Meter hoch würde das Parkhaus werden, überraschend mit der Abfahrtsebene der Zoo-Seilbahn auf der obersten, der achten Etage: ein riesiger, stadtbildbestimmender Koloss am Fuße des denkmalgeschützten Zoo-Viertels und des ebenfalls denkmalgeschützten Zoos. Das wollten die Ausschussmitglieder sich erst einmal „visualisieren“ lassen: Sie wollten vor einer Entscheidung Zeichnungen vom möglichen Aussehen des Parkhauses und seinem Ort auf dem Parkplatz bekommen. Also Vertagung der Entscheidung um drei Monate bis zur nächsten Sitzung im Juni.

„Wer anderen eine Grube gräbt,…“ Da wollten Verwaltung und OB vermutlich schlau sein und die fertige Vorlage so lange bis zum letzten möglichen Zeitpunkt geheim halten, damit sie nicht vorher schon kaputt diskutiert werden konnte. Und nun verlangen die Mitglieder des entscheidenden Ausschusses noch einmal drei Monate Verzögerung. Und wer jetzt im Juni 2025 in der Presse die Bilder von dem geplanten Parkhaus sieht, der kann dem Ausschuss nur gratulieren für den richtigen Riecher: Ein solcher Koloss unmittelbar neben dem Restaurant „Da Vinci“, dem „Alten Kuhstall“, wirkt erdrückend, völlig unmöglich als Eingangstor zum denkmalgeschützten Zoo und Zooviertel.

Furchtbar nicht nur für die Stadtentwicklung ist diese Scheu des OB vor Diskussionen in und mit der Bevölkerung. Sie ist eine große Belastung für die Entwicklung Wuppertals. Hoffentlich haben der Nachfolger oder die Nachfolgerin für das Oberbürgermeisteramt in dieser Frage eine total andere Einstellung: Frühzeitige Diskussionen mit der Bevölkerung könnten gute Stadtratsbeschlüsse verstärken, sie können Fehlentwicklungen verhindern und vor allem: Sie binden die Stadtbevölkerung mit ein in die Entwicklung unserer Kommune: Gute Demokratie darf nicht nur in den Kommunal- und OB-Wahlen alle fünf Jahre geschehen. Außerdem haben die 360 000 Wuppertaler Bürger, die teils durch ihre Berufe sehr fachkundig sind, Ideen und Problemanzeigen unabhängig von den Parteien, der Verwaltung und dem OB. Darauf zu verzichten, vernichtet viele weiterführende Gedanken, statt dass die Stadt von guten Ideen profitieren könnte.

Zurück zum Parkhaus mit ca. 450 Plätzen und der Abfahrtsebene der Seilbahn in der achten Etage. Bis zu 3000 Besucher muss die Seilbahn in einer Stunde in jeder Richtung transportieren können. Da braucht man viel Platz für lange Warteschlangen wie im Flughafen. Und hier liegt ein gravierendes Problem: In Parkhäusern brennt ab und zu einmal ein Auto. Benziner oder Diesel löschen die Sprinkleranlagen oder die Feuerwehr in wenigen Minuten, auch wenn nebenstehende Autos mit in Brand geraten. Aber was ist mit E-Autos? Geraten sie in Brand, können sie nicht gelöscht werden, da man in einem Parkhaus keine Haube über das brennende Auto stülpen kann. Aufgrund der sehr starken Hitzeentwicklung werden dann auch andere E-Autos schnell in Brand gesetzt. Schon bevor die Feuerwehr kommt, entwickeln sich Feuer, Qualm und giftige Rauchgase explosionsartig und ziehen nach oben: Genau in die offene Abfahrtsetage der Seilbahn mit vielen hundert Wartenden, darunter viele sich auf den Zoo freuende Kleinkinder. Evakuieren dauert lange, Behinderte mit Rollstühlen und Ältere mit Rollatoren könnten die Fluchttreppen außen überhaupt nicht benutzen. Die Aufzüge werden beim Brand automatisch abgeschaltet. Sollte so mit einer Massenpanik und mit vielen Toten die BUGA 31 enden?

Nein, die Abfahrtsebene für die Seilbahn in der obersten Parkhausetage ist keine gute Idee. Statt nach einer einzigen Wartezeit vor der Seilbahnabfahrt auf der Parkplatzebene neben dem Restaurant müsste man im Parkhaus zweimal warten: zuerst vor den Aufzügen und dann noch einmal vor der Seilbahn.

Und wenn die Seilbahn wegen eines Feuers abgeschaltet wird, dann bekommen vier volle Gondeln noch ein besonderes Erlebnis: Unter ihnen wartet auf der Löwenwiese gespannt eine auf die Gondeln schauende Löwenherde. Und bis die Tierpfleger mit guten Worten und Betäubungsgewehren die Löwen gebändigt haben, kann auch keine Feuerwehr und kein Leiterwagen zur Evakuierung der Gondeln anfahren.

Nein, die Seilbahnabfahrt auf der besonders gefährdeten obersten Etage des Parkhauses ist keine gute Idee. Parkhaus und Seilbahn funktionieren besser, wenn sie getrennt sind. Auch sind sie einzeln standardmäßig viel einfacher zu bauen und sicher deutlich preiswerter. Und für eine Seilbahn kann die dann sehr schnell zu erreichende Höhe über den Baumwipfeln kein Problem sein. An der Zugspitze schafft die Seilbahn das schließlich auch.

Manfred Alberti
www.manfredalberti.de
manfredalberti@hotmail.com

Das könnte Dich auch interessieren

Polizeieinsatz im Gartenhallenbad Langerfeld nach Handyaufnahmen und Softair-Waffe

Mehrere Einbrüche in Wuppertal, Remscheid und Solingen

Defekt an Ampelsteuerung verursachte Verkehrsbehinderungen am Briller Kreuz