Wuppertal – In Wuppertal mehren sich Fälle von sogenanntem Lovescamming – einem perfiden Internetbetrug, bei dem Täter gezielt das Vertrauen und die Gefühle ihrer Opfer ausnutzen, um an Geld zu gelangen. Besonders häufig betroffen sind alleinstehende, ältere Menschen.
So erging es auch einer 80-jährigen Frau aus Elberfeld. Die Seniorin, verwitwet und alleinlebend, wurde auf Facebook kontaktiert. Ein Mann mit dem Namen „Michael Wolf“ stellte sich als angeblicher Soldat im Auslandseinsatz vor. Im Verlauf weniger Tage entwickelte sich ein intensiver digitaler Austausch über den Messenger-Dienst WhatsApp. Der Mann inszenierte sich als fürsorglicher Vater und enttäuschter Ehemann – ein Narrativ, das offenkundig darauf abzielte, Mitgefühl und Vertrauen zu wecken.
Trotz anfänglicher Skepsis ließ sich die Frau auf den Kontakt ein. Der angebliche Soldat betonte seine ernsthaften Absichten, übermittelte Fotos, die ihn als sympathischen, sportlichen Mann mittleren Alters zeigten, und schmiedete Zukunftspläne. Bereits nach kurzer Zeit begann er, intime Fragen zu stellen und sprach von einer gemeinsamen Zukunft nach seiner Pensionierung.
Einige Tage später behauptete er, während seines Auslandseinsatzes eine hohe Geldsumme – rund 1,5 Millionen Euro – als Belohnung erhalten zu haben. Er wolle seinen Anteil angeblich in einer Box nach Deutschland schicken. Um den Versand abzuwickeln, forderte er die Frau zur Zahlung einer Gebühr in Höhe von 2.450 Euro auf. Ohne Rücksprache mit Freunden oder Angehörigen überwies sie den Betrag an ein Konto bei der Postbank.
Erst nachdem sie sich einer Freundin anvertraute, wurde der Betrug erkannt. Die Seniorin erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei. Der emotionale und finanzielle Schaden war bereits entstanden.
Laut dem Wuppertaler Polizeipräsidium handelt es sich bei solchen Fällen um keine Einzelfälle. Kriminalhauptkommissar Michael Schroer, zuständig für Prävention und Opferschutz, berichtet von einer kontinuierlichen Zunahme entsprechender Anzeigen. Wöchentlich würden neue Fälle registriert – mit einer vermuteten hohen Dunkelziffer. Die meisten Betroffenen verlieren Beträge ab etwa 2.000 Euro. In Extremfällen gehen die Summen jedoch deutlich darüber hinaus. In einem besonders gravierenden Fall verlor ein Wuppertaler Bürger rund 800.000 Euro an Betrüger – das Geld blieb bis heute verschwunden.
Die Polizei mahnt zur Wachsamkeit in sozialen Netzwerken und warnt davor, persönlichen oder finanziellen Forderungen von Internetbekanntschaften nachzugeben. Gerade ältere Menschen werden zunehmend zum Ziel von professionell organisierten Tätergruppen, die systematisch Vertrauen aufbauen, um ihre Opfer finanziell auszunehmen.
Zunahme von Internetbetrug in Wuppertal: Seniorin fällt auf Lovescammer herein
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