Carl Grossberg im Fokus: Von der Heydt-Museum widmet dem Künstler umfassende Retrospektive

Ökologix/CCA


Wuppertal. Mit der Ausstellung „Carl Grossberg. Sachlich – magisch – visionär“ rückt das Von der Heydt-Museum einen bedeutenden, zugleich lange unterschätzten Vertreter der Neuen Sachlichkeit in den Mittelpunkt. Die Schau präsentiert das Werk eines Künstlers, der trotz internationaler Bedeutung bislang nur selten umfassend gewürdigt wurde.
Im Zentrum der Ausstellung stehen insgesamt rund 190 Arbeiten, darunter 52 Gemälde, etwa 100 Arbeiten auf Papier sowie 40 Fotografien. Die Präsentation erstreckt sich über acht Räume und bietet einen breit angelegten Überblick über das Schaffen des 1894 in Elberfeld geborenen und 1940 verstorbenen Malers, Zeichners und Architekten.
Grossberg zählt zu den prägenden Künstlern der Neuen Sachlichkeit der 1920er- und 1930er-Jahre. Bekannt wurde er vor allem durch seine detailgenauen Darstellungen von Industrieanlagen, technischen Objekten und urbanen Räumen. Die Ausstellung macht jedoch deutlich, dass sein Werk weit über diese Motive hinausreicht.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf bislang weniger beachteten Werkgruppen. Dazu gehört ein eigener Raum mit sogenannten Traumbildern, die parallel zu seinen bekannten Arbeiten entstanden. Diese Werke zeigen rätselhafte, teils surreal anmutende Landschaften und eröffnen einen Einblick in die komplexe innere Welt des Künstlers. Sie stehen in starkem Kontrast zu den nüchternen, präzisen Darstellungen seiner industriellen Motive und lassen auf eine vielschichtige künstlerische Persönlichkeit schließen.
Erstmals seit rund drei Jahrzehnten wird Grossbergs Werk wieder in einer umfassenden Retrospektive gezeigt. Grundlage dafür ist unter anderem ein bislang unzugänglicher Nachlass, der neue Erkenntnisse über Leben und Arbeit des Künstlers ermöglicht. Briefe und weitere Dokumente tragen dazu bei, sein Schaffen in einem erweiterten Kontext zu betrachten.
Charakteristisch für Grossbergs Werk ist die außergewöhnliche Präzision, mit der er seine Motive umsetzte. Die geringe Anzahl seiner Gemälde – insgesamt sind lediglich etwa 60 bis 70 Werke bekannt – ist auch auf die lange Entstehungsdauer zurückzuführen. Für jedes Bild benötigte er mehrere Monate, was sich in der akribischen Ausführung widerspiegelt.
Auffällig ist zudem die Nähe seiner Malerei zur Fotografie. Die Werke zeichnen sich durch eine klare, fast sachliche Bildsprache aus, die gleichzeitig eine starke visuelle Präsenz entfaltet. Diese Verbindung von technischer Genauigkeit und künstlerischer Interpretation verleiht den Arbeiten eine bis heute wirkende Aktualität.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Begleitprogramm. Dazu gehört auch ein aufwendig gestalteter Audioguide, der neben einer klassischen Version erstmals auch speziell auf ein jüngeres Publikum zugeschnittene Inhalte bietet.

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