Olaf Reitz sieht im Pina Bausch Zentrum Chance für eine Kulturinstitution der Zukunft

DanielH/CCA


Mit den Planungen für den Umbau des ehemaligen Wuppertaler Schauspielhauses zum Pina Bausch Zentrum erreicht das Projekt die nächste Phase. Im Rahmen einer Interviewreihe der städtischen Projektleitung hat sich nun der Wuppertaler Theatermacher und Schauspieler Olaf Reitz zu den Perspektiven des Vorhabens geäußert. Er sieht in dem Zentrum die Möglichkeit, ein neuartiges Modell für kulturelle Einrichtungen zu entwickeln und Wuppertals kulturelle Strahlkraft nachhaltig zu stärken.

Reitz verbindet mit dem denkmalgeschützten Schauspielhaus persönliche Erinnerungen. Bereits in jungen Jahren stand er dort auf der Bühne und erlebte das Gebäude als besonderen Ort künstlerischer Arbeit. Aus seiner Sicht wäre es ein großer Verlust, eine architektonisch und kulturell bedeutende Immobilie ungenutzt zu lassen. Gleichzeitig verweist er auf die Veranstaltungen, die bereits heute im Foyer und auf dem Gelände stattfinden. Die Mischung aus künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Formaten zeige, welches Potenzial das Haus künftig neben Tanztheater und Archiv entfalten könne.

Den jetzigen Zeitpunkt für die Umsetzung hält Reitz für richtig. Angesichts der zugesagten Fördermittel von Bund, Land und Stadt sei eine Verschiebung des Projekts keine realistische Option. Ein weiteres Hinauszögern würde nach seiner Einschätzung den baulichen Zustand des ehemaligen Schauspielhauses verschlechtern und die langfristige Zukunft des Projekts gefährden.

Als zentralen Mehrwert des Pina Bausch Zentrums sieht Reitz weniger einen wirtschaftlichen Nutzen als vielmehr die Schaffung eines offenen und einladenden Ortes für die Stadtgesellschaft sowie für die regionale, nationale und internationale Kulturszene. Ein solches Haus könne Optimismus fördern und neue Impulse für das kulturelle Leben in Wuppertal setzen.

Persönlich fühlt sich Reitz dem Werk von Pina Bausch verbunden, auch wenn er nur eine kurze persönliche Begegnung mit ihr hatte. Den Umgang mit ihrem künstlerischen Erbe bezeichnet er als anspruchsvolle Aufgabe, da zahlreiche Erwartungen und unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Zugleich wertet er das große Interesse an ihrem Werk als Ausdruck seiner außergewöhnlichen Bedeutung.

Besonders beeindruckt zeigte sich Reitz von der Aufführung „Echoes 78“. Die Produktion habe das künstlerische Schaffen des Tanztheaters konsequent weiterentwickelt und ihn nachhaltig bewegt.

Für kommende Generationen sieht Reitz im Pina Bausch Zentrum vor allem die Chance, neue Formen kultureller Zusammenarbeit zu entwickeln. Anders als bei etablierten Institutionen gebe es keine festen Vorbilder, an denen sich das Projekt orientieren müsse. Die vier vorgesehenen Säulen – Tanztheater, Archiv, Produktionszentrum und Forum Wupperbogen – seien bereits auf einem guten Weg. Entscheidend werde sein, tragfähige Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und das Zentrum kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Mit Blick auf den Kulturstandort Deutschland bewertet Reitz das Projekt als bewusstes Zeichen in einer Zeit, in der viele Kultureinrichtungen unter finanziellen Kürzungen leiden. Das Pina Bausch Zentrum könne verdeutlichen, dass Kunst und Kultur eine tragende Rolle für die Gesellschaft einnehmen und weit mehr seien als ein freiwilliger Zusatz.

Die gemeinsame Finanzierung durch Bund, Land und Stadt bewertet Reitz als Investition in das gesellschaftliche Zusammenleben. Öffentliche Mittel sollten nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Das Zentrum könne einen Ort schaffen, an dem Menschen unabhängig von ihren gesellschaftlichen Rollen zusammenkommen und kulturelle Teilhabe erleben.

Als Maßstab für den langfristigen Erfolg nennt Reitz zwei Kriterien. Zum einen müsse das Pina Bausch Zentrum das bestehende Kulturangebot ergänzen und auch anderen Spielstätten zusätzliche Besucher bringen. Zum anderen müsse es sich zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Stadtlebens entwickeln und neue Formen der Leitung und Mitgestaltung erproben. Dieser Prozess werde Zeit benötigen und könne sich erst nach vielen Jahren vollständig bewerten lassen.

Das Projekt versteht Reitz als offene Entwicklung ohne festgelegten Endpunkt. Entscheidend sei, dass sich möglichst viele Menschen aktiv einbringen und das Zentrum mitgestalten. Nur wenn es von der Stadtgesellschaft angenommen und weiterentwickelt werde, könne das Pina Bausch Zentrum langfristig zu einer prägenden Kulturinstitution für Wuppertal, Nordrhein-Westfalen und Deutschland werden.

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