Oper Wuppertal eröffnet Spielzeit mit eindrucksvoller Verdi-Inszenierung

Daniel H/CCA



Wuppertal. Mit Giuseppe Verdis Oper „Otello“ hat das Wuppertaler Opernhaus einen eindrucksvollen Auftakt zur neuen Spielzeit erlebt. Die Inszenierung von Katharina Kastening verbindet musikalische Intensität mit einer modernen Bühnenästhetik und einer eindringlichen Darstellung menschlicher Abgründe. Besonders die Hauptdarsteller und das Orchester prägen den Premierenabend.

Intrigen in einer abgeschotteten Militärwelt

Die Handlung basiert auf William Shakespeares Tragödie und erzählt vom Feldherrn Otello, dessen Vertrauen durch gezielte Manipulation zerstört wird. Der Intrigant Jago nutzt die Eifersucht des Titelhelden, um ihn gegen seine Ehefrau Desdemona aufzubringen. Am Ende führt die verhängnisvolle Täuschung zum Tod der unschuldigen Frau.

Verdi brachte den Stoff 1887 als Oper auf die Bühne. Katharina Kastening verlegt das Geschehen in ihrer Wuppertaler Inszenierung auf einen abgelegenen amerikanischen Militärstützpunkt. Die abgeschlossene Umgebung unterstreicht die Machtstrukturen, denen die Figuren ausgeliefert sind. Überwachungskameras prägen das Bühnenbild und verweisen auf ein System, das Kontrolle und Unfreiheit miteinander verbindet.

Im Zentrum der zerstörerischen Entwicklung steht Jago, der aus persönlicher Kränkung und Neid eine perfide Intrige entwickelt. Byung Jun Ko gestaltet die Rolle mit ausgeprägter Präsenz und einer bewusst kalkulierten Boshaftigkeit. Auch Jagos Ehefrau Emilia wird in seine Machenschaften hineingezogen. Edith Grossman verleiht der Figur mit ihrem ausdrucksstarken Sopran und ihrer charakteristischen Darstellung eine besondere Kontur.

Otellos Eifersucht wird zur tödlichen Gefahr

Charne Rochford übernimmt als Gast den Titelpart. Zu Beginn wirkt sein Gesang stellenweise übermäßig kraftvoll, im weiteren Verlauf gewinnt die Darstellung jedoch an psychologischer Tiefe. Otellos zunehmende innere Zerrissenheit wird besonders nach der Pause deutlich.

Obwohl er die Möglichkeit hätte, den verhängnisvollen Verlauf aufzuhalten, lässt sich der Feldherr von Jagos Täuschungen leiten. Seine unbegründete Eifersucht auf Roderigo, dargestellt von Sergio Augusto, verstärkt die Zweifel an Desdemonas Treue. Dabei bleibt ihre Liebe zu Otello ungebrochen.

Die Tragödie erreicht ihren Höhepunkt, als Otello seine Ehefrau im Hochzeitskleid erstickt und sie anschließend mit einem Messer tötet. Die Inszenierung verdeutlicht damit die zerstörerischen Folgen von Manipulation, Misstrauen und männlicher Macht.

Desdemona überzeugt mit musikalischer Ausdruckskraft

Francesca Chiejina prägt den Abend als Desdemona mit einem warmen, leidenschaftlichen Sopran. Ihre Darstellung verleiht der Figur eine emotionale Tiefe, die den tragischen Verlauf besonders eindringlich macht. Auch die großformatigen Videoprojektionen von Frouke ten Velden, auf denen das Gesicht der Sängerin wiederholt erscheint, verstärken die Wirkung ihrer Szenen.

Besonders in Desdemonas Lied von der Weide und im abschließenden „Ave Maria“ entfaltet Chiejina ihre musikalische Ausdruckskraft. Die bewegende Interpretation gehört zu den herausragenden Momenten der Premiere.

Bühnenbild und Orchester setzen eigene Akzente

Auch die Ausstattung trägt wesentlich zur Wirkung der Produktion bei. Matthias Kronfuss gestaltet ein durchdachtes Bühnenbild, dessen Beleuchtung die Atmosphäre des abgeschotteten Militärstandorts präzise unterstützt. Die Kostüme von Devi Saha ergänzen das Konzept. In der finalen Mordszene erscheint Otello in einer weißen Uniform, die an historische Militärbekleidung erinnert.

Yorgos Ziavras leitet das Sinfonieorchester mit musikalischer Präzision und emotionaler Gestaltungskraft. Opernchor, Extra-Chor und die OpernClubs ergänzen die Aufführung und tragen zur geschlossenen Wirkung des Abends bei.

Weitere Vorstellungen im November, Dezember und 2027

Nach der Premiere steht „Otello“ am Samstag, 7. November 2026, erneut auf dem Spielplan. Weitere Aufführungen sind für den 11. und 27. Dezember 2026 sowie für Januar und Februar 2027 vorgesehen.

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