Die Zukunft des geplanten Pina Bausch Zentrums an der Kluse ist wieder offen. Ein für Mittwoch angesetztes Gespräch zwischen Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und Vertretern der Ratsfraktionen wurde kurzfristig abgesagt. Bei dem Treffen sollte die Beschlussvorlage für das Kulturprojekt vorgestellt werden. Damit verzögert sich auch der weitere politische Entscheidungsprozess.
Nach bisherigen Planungen sollte der Stadtrat am 28. September darüber entscheiden, ob das Zentrum rund um das denkmalgeschützte Schauspielhaus realisiert wird. Inzwischen zeichnet sich jedoch eine Verschiebung dieses Termins ab. Nach vorliegenden Informationen soll darüber in der kommenden Woche informiert werden.
Betriebskosten sorgen für wachsende Bedenken
Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die finanziellen Auswirkungen des Vorhabens. Der derzeitige Planungsstand geht von Investitionskosten von rund 160 Millionen Euro aus. Darin enthalten sind die Sanierung des denkmalgeschützten Schauspielhauses sowie der geplante Neubau nach einem Entwurf der New Yorker Architektin Elizabeth Diller.
Noch größere politische Sorgen bereiten offenbar die laufenden Betriebskosten. Verlässliche Angaben zu den jährlichen Folgekosten sind bislang nicht öffentlich bekannt. Im Rathaus und in den Ratsfraktionen kursieren allerdings Schätzungen, die sich auf einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr belaufen sollen. Angesichts der angespannten Finanzlage Wuppertals und des begrenzten Kulturetats wäre eine solche Belastung für den städtischen Haushalt erheblich.
Die kurzfristige Absage des Gesprächs zwischen der Oberbürgermeisterin und den Fraktionsvertretern verstärkt die Unsicherheit. Vertreter von FDP und Grünen kritisieren insbesondere, dass weder ein Grund für die Absage genannt noch ein Ersatztermin vereinbart worden sei. Gleichzeitig steht eine Entscheidung über das Projekt unmittelbar bevor.
Wechsel im Stadtkämmereramt fällt in entscheidende Phase
Eine mögliche Verschiebung der Ratsentscheidung könnte auch mit dem bevorstehenden Wechsel im Wuppertaler Finanzdezernat zusammenhängen. Christian Wolf soll am Montag zum neuen Stadtkämmerer gewählt werden. Sein Amtsvorgänger Torsten Bunte scheidet aus, Wolf soll seine Tätigkeit allerdings erst im November aufnehmen.
Damit könnte der neue Kämmerer noch in die weitere Prüfung der finanziellen Auswirkungen des Pina Bausch Zentrums einbezogen werden. Ob der Wechsel tatsächlich ausschlaggebend für die mögliche Verschiebung ist, bleibt offen.
Projekt seit Jahren in der Diskussion
Das Pina Bausch Zentrum wird in Wuppertal seit Jahren geplant. Vorgesehen ist ein Gebäudeensemble, das dem international bekannten Tanzensemble von Pina Bausch eine dauerhafte Heimat geben soll. Darüber hinaus sind Räume für das Pina Bausch Archiv, Begegnungen und Veranstaltungen sowie Flächen für die freie Kulturszene vorgesehen.
Während das inhaltliche Konzept weitgehend feststeht, gibt es bei der Finanzierung weiterhin offene Fragen. Bund und Land haben grundsätzlich eine Beteiligung an der Sanierung des Schauspielhauses in Höhe von zusammen etwa 50 Millionen Euro zugesagt. Diese Förderung ist jedoch an die Realisierung des Gesamtprojekts gebunden.
Der Bund hat die Frist für die entsprechende Förderung bis zum Jahresende verlängert. Für Wuppertal erhöht das den zeitlichen Druck, zugleich fehlen weiterhin belastbare Angaben zu den langfristigen finanziellen Folgen.
Bezirksregierung verlangt regelmäßige Informationen
Auch die kommunale Finanzaufsicht verfolgt die Entwicklung des Vorhabens. Die Bezirksregierung hat dem Haushaltssicherungskonzept des früheren Stadtkämmerers Bunte nur unter der Bedingung zugestimmt, regelmäßig über den Fortgang des Pina-Bausch-Projekts und der für 2031 geplanten Bundesgartenschau informiert zu werden.
In den Ratsfraktionen wächst deshalb der Wunsch nach einer klaren finanziellen Grundlage. Zugleich wird die Sanierung des Schauspielhauses als zentraler Bestandteil des Vorhabens betrachtet. Ein Scheitern des Gesamtprojekts könnte nach Einschätzung aus den Fraktionen erhebliche Folgen für die Zukunft des traditionsreichen Gebäudes haben.
Aus dem Umfeld der Oberbürgermeisterin heißt es weiterhin, dass Scherff grundsätzlich an der Umsetzung des Pina Bausch Zentrums festhalten wolle. Geprüft werde nun, in welcher Form und mit welchem Umfang das Projekt angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen umgesetzt werden könne. Eine entsprechende Vorlage soll noch im Laufe dieses Jahres dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden.
Pina Bausch Zentrum in Wuppertal: Ratsentscheidung wird zum Finanzproblem
DanielH/CCA