Pinguine auf Röhrenfernsehern: Wuppertaler Stadthalle zeigt ungewöhnliche Zoo-Bilder

Kichern/CCA



In der Historischen Stadthalle Wuppertal treffen derzeit zwei scheinbar gegensätzliche Welten aufeinander. In der Wanderhalle stehen ausgediente Röhrenfernseher, auf deren Bildschirmen Königspinguine und afrikanische Elefanten aus dem Grünen Zoo zu sehen sind. Die Installation „Retro Vision“ verbindet historische Fernsehtechnik mit moderner Datenübertragung und dem städtischen Glasfasernetz.

Die Bilder aus dem Zoo werden in Echtzeit übertragen. Dafür stellt die Stadt ihre Glasfaser-Infrastruktur zur Verfügung, während das Wuppertaler Unternehmen Riedel Communications die erforderliche Übertragungstechnik bereitstellt. Ziel des Projekts ist es, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Kultur und wirtschaftliche Kompetenz miteinander zu verbinden.

Fast 200 Fernseher wurden gesammelt

Der Grundstein für die Installation wurde bereits im vergangenen Jahr gelegt. Die Wuppertaler konnten funktionsfähige Röhrenfernseher bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal abgeben. Auf diese Weise kamen nahezu 200 Geräte zusammen. Rund 130 davon erwiesen sich nach einer technischen Überprüfung als geeignet für die weitere Verwendung.

Die alten Fernseher stellen die Projektbeteiligten allerdings vor besondere technische Herausforderungen. Die Geräte verfügen nicht über moderne Anschlüsse wie HDMI. Deshalb wird das Videosignal zunächst aus dem Zoo über das Glasfasernetz übertragen. Bei Riedel Communications wird es verarbeitet und anschließend zur Stadthalle weitergeleitet. Über einen SKAT-Anschluss werden die Signale schließlich auf den historischen Bildschirmen dargestellt.

Alte Technik erhält eine neue Funktion

Auch die Präsentation der Fernseher erforderte eine eigens entwickelte Konstruktion. Die Geräte sind schwer und durch ihre gewölbte Bauform nicht ohne Weiteres übereinanderzustellen. Ein zunächst vorgesehenes Stapelsystem erwies sich deshalb als ungeeignet. Stattdessen wurde ein Stahlgerüst gefertigt, das die Fernseher sicher aufnimmt.

An der technischen Umsetzung waren auch die Werksstudenten Julian Pacharzyna und Hannah Rente beteiligt. Pacharzyna übernahm unter anderem die Organisation der gespendeten Geräte und die Koordination verschiedener Projektphasen. Rente beschäftigte sich mit den besonderen technischen Anforderungen der historischen Fernseher.

Die Idee für „Retro Vision“ entstand aus der Überlegung, das Glasfasernetz nicht ausschließlich für klassische Kommunikationsaufgaben einzusetzen. Statt verschiedener Standorte lediglich digital miteinander zu verbinden, sollten Kultur- und Erlebnisorte auf ungewöhnliche Weise miteinander verknüpft werden. Neben dem Zoo wurden unter anderem das Open Ground, die Oper und das Visiodrom als mögliche Bestandteile eines solchen Konzepts betrachtet.

Auch der Zoo profitiert

Für den Grünen Zoo bietet die Liveübertragung einen zusätzlichen Zugang zu den Tieren. Die Bilder in der Stadthalle können Besucher dazu anregen, den Zoo selbst zu besuchen. Darüber hinaus sieht der Zoo in der technischen Vernetzung auch Potenzial für wissenschaftliche Anwendungen.

Echtzeitbilder und moderne Verfahren wie Künstliche Intelligenz könnten künftig dabei helfen, das Verhalten der Tiere genauer zu beobachten und auszuwerten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können auch für den Artenschutz von Bedeutung sein.

Installation bleibt zunächst in der Stadthalle

„Retro Vision“ ist in der Wanderhalle der Historischen Stadthalle zu sehen. Die Installation kann täglich ab 12 Uhr bis zum Ende der jeweiligen Veranstaltung besucht werden, sofern die Stadthalle geöffnet ist. Informationstafeln erläutern die Hintergründe des Projekts und die technische Umsetzung.

Wie lange die Röhrenfernseher in der Stadthalle bleiben, steht noch nicht fest. Als weiterer Standort kommt das Visiodrom infrage. Ein konkreter Zeitplan für einen möglichen Wechsel existiert bislang nicht.

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