Angesichts hoher Bau- und Betriebskosten stehen drei abgespeckte Konzepte zur Diskussion. Der ursprüngliche Entwurf des New Yorker Architekturbüros wird von der Stadt nicht mehr empfohlen. Die Entscheidung muss unter erheblichem Zeitdruck fallen, da wichtige Fördermittel zum Jahresende auslaufen.
Die Zukunft des geplanten Pina Bausch Zentrums (PBZ) in Wuppertal steht vor einer entscheidenden Phase. Wegen der angespannten Haushaltslage und der erheblichen finanziellen Belastungen ist das Großprojekt erneut auf den Prüfstand gestellt worden. Kulturdezernent Hagen Lippe-Weißenfeld hat deshalb drei alternative Umsetzungskonzepte vorgestellt, mit denen sich die Investitions- und Folgekosten deutlich reduzieren lassen sollen. Die Verwaltung spricht sich dabei für einen Ersatzneubau aus, der den ursprünglichen Entwurf des New Yorker Architekturbüros Diller Scofidio + Renfro ablösen würde.
Die finanzielle Bedeutung des Projekts wird durch eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) unterstrichen. Die Studie beschäftigt sich mit der sogenannten Umwegrentabilität des Tanztheaters und untersucht dessen wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Auswirkungen auf die Stadt. Demnach entfaltet die Einrichtung über ihre eigentliche künstlerische Tätigkeit hinaus erhebliche positive Effekte für Wuppertal.
Je nach zugrunde gelegtem Szenario erzeugt jeder Euro, den die Stadt in das Tanztheater investiert, eine zusätzliche lokale Nachfrage zwischen 1,32 und 2,21 Euro. Bei einer mittleren Einschätzung liegt dieser Wert bei 1,78 Euro. Zu den untersuchten Wirkungen zählen neben der Förderung kultureller Bildung und sozialer Integration auch Impulse für die Stadtentwicklung, den Tourismus sowie die Attraktivität Wuppertals als Wirtschaftsstandort. Zudem werden positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Bevölkerung hervorgehoben.
Fördermittel setzen die Stadt unter erheblichen Zeitdruck
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Finanzierung. Der Bund hat für das Vorhaben Fördermittel in Höhe von 37,5 Millionen Euro bereitgestellt. Die bereits einmal verlängerte Bewilligung endet jedoch am 31. Dezember 2026. Bis dahin müssen die weiteren Voraussetzungen für die Umsetzung des Projekts geklärt sein. Auch die zugesagten 12,5 Millionen Euro des Landes Nordrhein-Westfalen sind an die Bundesförderung gekoppelt.
Ob eine erneute Verlängerung der Förderzusagen möglich ist, steht bislang nicht fest. Die Stadt führt dazu intensive Gespräche mit den zuständigen Stellen in Berlin. Zusätzlich besteht eine rechtliche Unsicherheit: Sollte Wuppertal den Vertrag mit dem ursprünglich beauftragten Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro aufkündigen, könnten daraus möglicherweise Schadenersatzforderungen entstehen.
Kulturdezernent Lippe-Weißenfeld stellte die drei Alternativen am Mittwoch in Informationsveranstaltungen für Mitglieder und sachkundige Einwohner der Finanz- und Kulturausschüsse vor. Die Konzepte wurden gemeinsam mit dem Gebäudemanagement, der Beratungsfirma actori und dem Zentralen Fördermanagement entwickelt. Sie sollen als Grundlage für die politische Beratung und die geplante Entscheidung des Stadtrates am 21. Dezember dienen.
Unabhängig von der baulichen Ausgestaltung soll das inhaltliche Grundkonzept mit seinen vier Bereichen erhalten bleiben: Tanztheater, Produktionszentrum, Pina Bausch Foundation und Forum Wupperbogen. Die Verwaltung sieht allerdings nicht jede der untersuchten Varianten als wirtschaftlich tragfähig an.
Ursprünglicher Entwurf bleibt finanziell nicht vertretbar
Bei einer unveränderten Umsetzung des Entwurfs von Diller Scofidio + Renfro würden sich die Baukosten einschließlich Preissteigerungen und eines Risikoaufschlags von 25 Prozent auf rund 219,09 Millionen Euro belaufen. Für das Gebäudemanagement entstünden im geplanten Eröffnungsjahr 2032 jährliche Folgekosten von etwa 10,12 Millionen Euro.
Der Veranstaltungsbetrieb im Schauspielhaus und in den Multifunktionsräumen könnte dabei wie ursprünglich vorgesehen stattfinden. Gegenüber der bisherigen Ausgangsplanung ließen sich die jährlichen Gesamtkosten zwar um rund 15 Prozent reduzieren. Aus Sicht der Verwaltung reicht diese Einsparung jedoch nicht aus. Die finanzielle Belastung wäre für den städtischen Haushalt weiterhin nicht zu bewältigen. Deshalb wird diese Möglichkeit nicht weiterverfolgt.
Variante 1: Verkleinerter Neubau mit begrenztem Einsparpotenzial
Eine erste Alternative sieht vor, den ursprünglichen Architekturentwurf in deutlich reduziertem Umfang umzusetzen. Durch die Verkleinerung könnten die Baukosten auf rund 203,51 Millionen Euro gesenkt werden. Darin enthalten sind ein Indexausgleich sowie ein Risikoaufschlag von 25 Prozent.
Die jährlichen Folgekosten für das Gebäudemanagement würden im vorgesehenen Eröffnungsjahr 2033 voraussichtlich rund 9,3 Millionen Euro betragen. Auch der städtische Zuschuss für den laufenden Betrieb könnte sinken: Statt bislang 3,40 Millionen Euro wären noch etwa 3,27 Millionen Euro erforderlich.
Bei der Kalkulation wurden neben den geringeren Betriebskosten auch zusätzliche Mietaufwendungen berücksichtigt. Diese würden entstehen, weil durch die Verkleinerung bestimmte Flächen für das Tanztheater und die Foundation wegfallen und anderweitig angemietet werden müssten.
Insgesamt könnten die jährlichen Gesamtkosten gegenüber der bisherigen Planung um etwa 20 Prozent reduziert werden. Dennoch bestehen aus Sicht der Verwaltung erhebliche finanzielle Risiken. Insbesondere fehlt eine verbindliche Kostenobergrenze, sodass spätere Nachforderungen und weitere Baukostensteigerungen nicht zuverlässig ausgeschlossen werden können. Auch diese Variante wird daher nicht empfohlen.
Variante 2: Ersatzneubau als bevorzugte Lösung
Die dritte bauliche Möglichkeit innerhalb der untersuchten Alternativen sieht vor, auf den Entwurf von Diller Scofidio + Renfro zu verzichten und stattdessen einen wirtschaftlicheren Ersatzneubau zu errichten. Mit geschätzten Baukosten von rund 171,18 Millionen Euro wäre diese Lösung deutlich günstiger als die beiden anderen Neubauvarianten.
In der Kalkulation sind Preissteigerungen sowie unterschiedliche Risikoaufschläge berücksichtigt. Für den Ersatzneubau werden 40 Prozent angesetzt, während für die bestehenden Gebäudeteile ein Aufschlag von 25 Prozent vorgesehen ist. Der höhere Wert beim Neubau trägt der geringeren Planungstiefe Rechnung, die sich aus der notwendigen vollständigen Neuplanung ergibt.
Die jährlichen Baufolgekosten würden sich im geplanten Eröffnungsjahr 2034 auf etwa 7,6 Millionen Euro belaufen. Gleichzeitig könnte der städtische Betriebskostenzuschuss auf 2,70 Millionen Euro sinken.
Neben Einsparungen beim Gebäudebetrieb fließen auch Anpassungen beim Personal- und Produktionsbudget sowie bei den erwarteten Eigeneinnahmen in die Berechnung ein. Zusätzlich wurden Mietkosten für Flächen berücksichtigt, die durch die neue Planung beim Tanztheater und bei der Foundation nicht mehr zur Verfügung stehen würden.
Nach den Berechnungen der Verwaltung ließen sich die jährlichen Gesamtkosten ab 2034 um rund 34 Prozent senken. Ein wesentlicher Vorteil liegt zudem in der Möglichkeit, das Vorhaben mit einer neuen Ausschreibung und einer verbindlichen Kostenobergrenze an einen Totalunternehmer zu vergeben. Dadurch könnten finanzielle Risiken während der Bauphase besser begrenzt und spätere Mehrkosten vermieden werden.
Auch architektonisch soll der Ersatzneubau den Anforderungen des Standorts gerecht werden. Eine sorgfältige Leistungsbeschreibung soll sicherstellen, dass sich das neue Gebäude gestalterisch in die Umgebung einfügt und insbesondere mit dem denkmalprägenden Graubner-Bau harmoniert.
Aufgrund der deutlich geringeren Kosten und der besseren Kalkulierbarkeit spricht sich die Verwaltung für diese Variante aus.
Variante 3: Verzicht auf einen Neubau
Die weitreichendste Einsparmöglichkeit wäre der vollständige Verzicht auf einen zusätzlichen Neubau. In diesem Fall würde sich das Vorhaben im Wesentlichen auf die Sanierung des Schauspielhauses beschränken. Die veranschlagten Baukosten lägen einschließlich Index und eines Risikoaufschlags von 25 Prozent bei rund 136,83 Millionen Euro.
Für das Gebäudemanagement würden im Eröffnungsjahr jährliche Folgekosten von etwa 5,79 Millionen Euro entstehen. Der städtische Zuschuss könnte auf 1,50 Millionen Euro reduziert werden. Insgesamt ließen sich die jährlichen Gesamtkosten ab 2034 nach den Berechnungen der Verwaltung um rund 46 Prozent verringern.
Allerdings hätte diese Lösung weitreichende Konsequenzen für das gesamte Projekt. Ohne den Neubau wäre das vorgesehene Konzept mit seinen vier zentralen Handlungsfeldern nicht mehr realisierbar. Insbesondere die räumlichen Voraussetzungen für das Tanztheater, das Produktionszentrum, die Foundation und das Forum Wupperbogen könnten nicht in der geplanten Form geschaffen werden. Deshalb empfiehlt die Verwaltung auch diese Alternative nicht.
Damit konzentriert sich die weitere politische Beratung insbesondere auf den vorgeschlagenen Ersatzneubau. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Pina Bausch Zentrums soll der Stadtrat am 21. Dezember treffen. Bis dahin müssen neben der baulichen und finanziellen Planung vor allem die offenen Fragen zur Bundes- und Landesförderung sowie mögliche vertragliche Folgen einer Abkehr vom bisherigen Architekturbüro geklärt werden.
Pina Bausch Zentrum in Wuppertal vor entscheidender Weichenstellung: Verwaltung bevorzugt günstigeren Ersatzneubau
DanielH/CCA