Umbau des ehemaligen Schauspielhauses geht in eine neue Planungsphase
Wuppertal treibt die Entwicklung des ehemaligen Schauspielhauses zum Pina Bausch Zentrum weiter voran. Aus dem denkmalgeschützten Gebäude soll ein international bedeutender Ort für Tanz entstehen, der zugleich eng mit der Stadtgesellschaft verbunden ist. Nach den bisherigen Vorbereitungen beginnt nun eine neue Phase der Planungen für den Umbau und die Erweiterung des Hauses.
Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, die seit November 2025 an der Spitze der Stadt steht, verbindet mit dem Projekt hohe Erwartungen. Das Zentrum solle einerseits die internationale Bedeutung des Tanzes in Wuppertal stärken und das künstlerische Erbe von Pina Bausch dauerhaft sichern. Andererseits müsse es ein Ort werden, der auch im Alltag der Stadt eine Rolle spielt.
Weltklassekunst und ein offenes Haus
Nach den Vorstellungen der Stadt soll das Pina Bausch Zentrum deutlich mehr sein als eine klassische Bühne oder ein Archiv. Geplant ist eine Institution, in der internationale Produktionen entstehen, Künstler arbeiten und Besucher unmittelbar mit Tanz und zeitgenössischer Kunst in Kontakt kommen.
Vorgesehen sind Produktionsbedingungen und Bühnen für internationale Projekte und Uraufführungen auf höchstem Niveau. Gleichzeitig soll das Haus für die Bevölkerung offenstehen. Workshops, Bildungsangebote und weitere Veranstaltungen sollen dazu beitragen, dass das Gebäude nicht nur während abendlicher Vorstellungen genutzt wird.
Scherff sieht darin einen wesentlichen Unterschied zu einem herkömmlichen Kulturbetrieb: Während beispielsweise eine internationale Kompanie im großen Saal arbeitet, könnten parallel im Gebäude Angebote für die Wuppertaler Bevölkerung stattfinden. Das Zentrum soll damit ein Ort des Austauschs zwischen internationaler Kulturszene und Stadtgesellschaft werden.
Pina Bauschs Erbe als Ausgangspunkt
Eine zentrale Bedeutung kommt dem Werk von Pina Bausch zu. Die Choreografin machte Wuppertal mit ihrer Arbeit weltweit bekannt und prägte den zeitgenössischen Tanz nachhaltig. Zahlreiche Tänzer und Künstler, die mit ihr gearbeitet haben, trugen ihre Erfahrungen später in andere Länder und Städte.
Für Scherff gehört diese internationale Strahlkraft zu den besonderen kulturellen Ressourcen Wuppertals. Ähnlich wie der Künstler Tony Cragg habe auch Pina Bausch die Stadt über ihre Arbeit international aufgewertet. Mit dem neuen Zentrum soll Wuppertal zugleich dauerhaft ein Ort bleiben, an dem dieses künstlerische Erbe verankert ist.
Dabei soll die Einrichtung nicht auf die Bewahrung der Vergangenheit beschränkt bleiben. Neben der Archivierung des Werkes von Pina Bausch ist die Entwicklung neuer künstlerischer Arbeiten vorgesehen. Das Zentrum soll jungen Künstlern Räume für Experimente, Zusammenarbeit und internationale Projekte bieten.
Impulse für die nächste Generation
Die geplante Institution soll damit auch eine Plattform für die Weiterentwicklung des Tanzes werden. Junge Künstler sollen dort auf internationale Partner treffen, neue Arbeiten entwickeln und unterschiedliche künstlerische Ansätze erproben können.
Für das Publikum eröffnet sich zugleich die Möglichkeit, Entstehungsprozesse unmittelbar mitzuerleben. Kultur soll nach den Vorstellungen der Stadt nicht allein präsentiert, sondern als lebendiger Prozess erfahrbar werden. Besonders für jüngere Generationen könne daraus ein Zugang zu Kunst entstehen, der über den klassischen Theaterbesuch hinausgeht.
Bedeutung über Wuppertal hinaus
Das Projekt soll nach dem Willen der Stadt auch ein Signal für den Kulturstandort Deutschland setzen. Wuppertal wolle mit dem Pina Bausch Zentrum zeigen, dass kulturelles Erbe nicht lediglich bewahrt, sondern mit neuen Konzepten weiterentwickelt werden könne.
Die Finanzierung und Umsetzung sind dabei als gemeinsame Aufgabe von Bund, Land und Stadt angelegt. Begründet wird das Engagement mit der überregionalen und internationalen Bedeutung des Projekts. Neben der Kultur könnten auch Bildung, Wissenschaft, Tourismus und Stadtentwicklung von der neuen Institution profitieren.
Für Wuppertal verbindet sich damit die Hoffnung auf zusätzliche internationale Aufmerksamkeit und eine langfristige Stärkung des Standorts. Das Zentrum soll zugleich Teil einer städtebaulichen Entwicklung werden und dem historischen Schauspielhaus eine neue Funktion geben.
Ein Haus, das im Alltag der Stadt verankert sein soll
Entscheidend für den langfristigen Erfolg wird aus Sicht der Oberbürgermeisterin sein, ob das Pina Bausch Zentrum von der Bevölkerung angenommen wird. Das Haus soll nicht als abgeschottete Kulturinstitution wahrgenommen werden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des städtischen Lebens.
Als Maßstab für die Entwicklung nennt Scherff deshalb zwei Ziele: Die Wuppertaler sollen das Zentrum als ihren eigenen kulturellen Ort verstehen, während zugleich Besucher aus aller Welt nach Wuppertal kommen, um die Institution und ihre Arbeit kennenzulernen.
Das Leitbild der Stadt ist ein offenes Haus, in dem internationale Tanzkunst, lokale Angebote, Begegnung und kultureller Austausch miteinander verbunden werden. Das Pina Bausch Zentrum soll damit zugleich Bühne, Produktionsort, Lernort und Treffpunkt sein.
Lange Vorbereitung, hohe Erwartungen
Die Realisierung des Vorhabens ist das Ergebnis jahrelanger Vorbereitungen. Nun soll die Zusammenarbeit von Stadt, Land und Bund die Grundlage dafür schaffen, das geplante Konzept tatsächlich umzusetzen. Scherff betont dabei, dass ein Projekt dieser Größenordnung einen langen Planungs- und Realisierungszeitraum erfordert und zwangsläufig kontroverse Diskussionen mit sich bringen werde.
Die Oberbürgermeisterin wirbt dennoch dafür, die langfristige Perspektive des Vorhabens im Blick zu behalten. Für Wuppertal biete sich die seltene Möglichkeit, unmittelbar in der eigenen Stadt eine international ausgerichtete Kulturinstitution aufzubauen und gleichzeitig einen neuen öffentlichen Ort für Begegnung und kulturelle Teilhabe zu schaffen.
Das Pina Bausch Zentrum steht damit für ein Konzept, das den Namen und das Erbe der weltberühmten Choreografin mit einer neuen kulturellen Nutzung des ehemaligen Schauspielhauses verbindet. Im Mittelpunkt stehen dabei internationale Tanzproduktion, Nachwuchsförderung, kulturelle Bildung und die Öffnung des Hauses für die Stadtgesellschaft.
Pina Bausch Zentrum soll Wuppertals neues kulturelles Zentrum werden
DanielH/CCA