Wasserstoffbusse in Wuppertal geraten wegen Klimabilanz unter Druck

Daniel H/CCA



Deutsche Umwelthilfe kritisiert Antriebskonzept der Wuppertaler Verkehrsbetriebe

Die Deutsche Umwelthilfe bewertet den öffentlichen Nahverkehr in Wuppertal beim Umstieg auf emissionsarme Antriebe kritisch. In einem aktuellen Vergleich der Elektromobilität im öffentlichen Verkehr belegt die Stadt unter den deutschen Großstädten einen der hinteren Plätze. Hauptgrund ist die Zusammensetzung der Busflotte: Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW mobil) setzen weiterhin auf zahlreiche Dieselbusse und verfügen bislang über keine reinen Batteriebusse.

Entscheidend für die Bewertung ist allerdings eine Besonderheit des Wuppertaler Verkehrskonzepts: Die Stadt setzt seit mehreren Jahren in größerem Umfang auf Wasserstoffbusse. Diese Fahrzeuge berücksichtigt die Deutsche Umwelthilfe in ihrem Vergleich nicht als Elektrobusse. Die Organisation argumentiert, Wasserstoffantriebe seien nicht vollständig emissionsfrei und könnten je nach Herkunft des Wasserstoffs weiterhin zur Klimabelastung und Luftverschmutzung beitragen. Aus ihrer Sicht sollte der öffentliche Nahverkehr deshalb konsequent auf batterieelektrische Busse umgestellt werden.

Brennstoffzelle erzeugt Strom für den Elektromotor

Technisch unterscheiden sich Wasserstoffbusse deutlich von klassischen Dieselbussen, aber auch von Batteriebussen. Der Antrieb erfolgt elektrisch. Eine Brennstoffzelle wandelt den getankten Wasserstoff in elektrische Energie um, die anschließend den Elektromotor antreibt. Während des Fahrbetriebs entstehen am Fahrzeug selbst keine Dieselabgase. Aus dem Auspuff treten im Wesentlichen Wasser beziehungsweise Wasserdampf aus.

Für die Klimabilanz ist jedoch nicht allein der Betrieb des Fahrzeugs entscheidend. Eine wesentliche Rolle spielt die Herstellung des Wasserstoffs. In Wuppertal wird ein Teil des benötigten Wasserstoffs mithilfe von Strom aus der örtlichen Müllverbrennungsanlage produziert. Bei der Verbrennung des Abfalls entstehen weiterhin klimaschädliche Emissionen. Zusätzliche Mengen an Strom sollen aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

Damit unterscheidet sich die Wuppertaler Lösung von einem vollständig erneuerbar erzeugten Wasserstoffsystem. Die Klimawirkung hängt wesentlich davon ab, aus welchen Energiequellen der für die Wasserstoffproduktion benötigte Strom stammt.

Wuppertal setzt auf Reichweite und kurze Tankzeiten

Die WSW hatten sich bereits 2019 bewusst für Wasserstoff als Antriebstechnologie entschieden. Ein wichtiger Faktor war die Topografie der Stadt. Die zahlreichen Steigungen und Gefällestrecken stellen hohe Anforderungen an die Reichweite und Leistungsfähigkeit der Busse.

Nach Angaben der WSW können die Wasserstofffahrzeuge auch auf den anspruchsvollen Strecken mehrere hundert Kilometer zurücklegen, ohne zwischendurch nachgetankt werden zu müssen. Zudem lässt sich Wasserstoff deutlich schneller nachfüllen als eine große Traktionsbatterie vollständig aufladen. Für einen Tankvorgang werden nach Angaben des Unternehmens etwa zwölf Minuten benötigt.

Zum Zeitpunkt der Entscheidung verfügten Batteriebusse nach Darstellung der WSW noch nicht über vergleichbare Reichweiten unter den besonderen Bedingungen des Wuppertaler Liniennetzes. Inzwischen hat sich die Technik allerdings weiterentwickelt. Die Stadtwerke prüfen deshalb auch den Einsatz moderner Batteriebusse, sofern diese die Anforderungen des bergigen Streckennetzes erfüllen.

Wasserstoff bleibt trotz hoher Kosten Teil der Flotte

Wuppertal verfügt mittlerweile über 52 Wasserstoffbusse und damit über eine der größeren entsprechenden Flotten in Deutschland. Auch andere Verkehrsunternehmen in der Region verfolgen ähnliche Konzepte. Dazu zählen die RVK im Rheinisch-Bergischen Kreis und die OVAG im Oberbergischen Kreis.

Allerdings ist die Technologie mit erheblichen Kosten verbunden. Wasserstoffbusse können nach Angaben der WSW etwa doppelt so teuer sein wie batterieelektrische Fahrzeuge. Ein kurzfristiger Austausch der bestehenden Flotte würde deshalb nicht nur hohe Investitionen erfordern, sondern auch die bereits angeschafften Fahrzeuge vorzeitig ersetzen.

Die WSW wollen deshalb an der Wasserstofftechnologie festhalten und zugleich moderne Elektrobusse erproben. Eine umfassende Umstellung auf Batteriebusse sei nach Einschätzung des Unternehmens derzeit nur mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung durch Bund und Land realisierbar.

Das könnte Dich auch interessieren

Weißes Pulver löst Einsatz von Polizei und Feuerwehr aus

Wenn Lebensmittel dort ankommen, wo sie gebraucht werden

Tausende BHs am Platz am Kolk machen auf Brustkrebs aufmerksam