Wegen steigender Unterbringungszahlen und technischer Mängel am ursprünglich vorgesehenen Standort soll eine städtische Unterkunft in Barmen künftig Platz für rund 80 Menschen bieten. Die ersten Familien sollen Anfang November einziehen.
Die Stadt Wuppertal reagiert auf den wachsenden Bedarf an Unterkünften für wohnungslose Familien mit einer Änderung ihrer bisherigen Planung. Statt des Gebäudes an der Stresemannstraße soll künftig die Unterkunft an der Schleichstraße 161 für die Unterbringung genutzt werden. Ausschlaggebend sind technische Defizite am ursprünglich vorgesehenen Standort sowie die Möglichkeit, das alternative Gebäude schneller in Betrieb zu nehmen.
Ursprünglich war geplant, die Einrichtung an der Stresemannstraße bereits im September für wohnungslose Familien zu öffnen. Bei der Vorbereitung des Betriebs stellte sich jedoch heraus, dass die technische Ausstattung den Anforderungen nicht ausreichend entspricht. Eine Behebung der Mängel würde nach Angaben der Stadt zu einer mehrmonatigen Verzögerung führen. Angesichts des bevorstehenden Winters und der steigenden Zahl unterzubringender Menschen soll deshalb auf die Schleichstraße ausgewichen werden.
Die geplante Änderung wird den politischen Gremien zur Beratung vorgelegt. Befassen sollen sich damit der Ausschuss für Soziales, Gleichstellung und Inklusion sowie die Bezirksvertretung Barmen in ihrer Sitzung am 27. Oktober.
Gebäude bietet bessere Bedingungen für Familien
Die Unterkunft in der Schleichstraße ist nach Einschätzung der Stadt sowohl hinsichtlich ihrer Raumaufteilung als auch ihrer Ausstattung besser für die Aufnahme von Familien geeignet. Das Gebäude verfügt über mehrere kleinere Zimmer auf verschiedenen Etagen und eine größere Zahl an Sanitärräumen. Darüber hinaus stehen Gemeinschaftsbereiche zur Verfügung, die Kinder als Spiel- und Lernräume nutzen können.
Ein weiterer Vorteil ist die Barrierefreiheit. Dadurch können auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität dort untergebracht werden. Die räumlichen Voraussetzungen sollen eine angemessene Versorgung der Familien über einen mittelfristigen Zeitraum ermöglichen.
Auch die Kapazität fällt größer aus als am ursprünglich vorgesehenen Standort. Während für die Unterkunft an der Stresemannstraße rund 40 Plätze eingeplant waren, sollen in der Schleichstraße schrittweise knapp 80 Menschen aufgenommen werden. Die tatsächliche Belegung richtet sich nach den verfügbaren Zimmern. Der Einzug der ersten Bewohner ist für die erste Novemberwoche vorgesehen.
Stresemannstraße bleibt Reserve für Geflüchtete
Die Unterkunft an der Stresemannstraße soll weiterhin als Reserve für die Unterbringung von Geflüchteten zur Verfügung stehen. Für den Betrieb der Einrichtung in der Schleichstraße ist nach derzeitiger Planung kein zusätzliches Personal erforderlich. Die Betreuung soll mit derselben personellen Ausstattung erfolgen, die bereits für den ursprünglichen Standort vorgesehen war.
Allerdings entstehen durch die größere Gebäudefläche höhere Mietkosten. Diese werden innerhalb der Stadtverwaltung vom Ressort für Zuwanderung und Integration auf das Sozialamt übertragen. Für den Betrieb der Unterkunft an der Stresemannstraße waren jährliche Kosten von rund 900.000 Euro veranschlagt worden. Trotz der zusätzlichen Mietbelastung hält die Stadt die alternative Unterbringung angesichts des steigenden Bedarfs für notwendig.
Vor der Eröffnung ist eine Informationsveranstaltung für Anwohner geplant. Dabei sollen Fragen zur Nutzung des Gebäudes und zum Zusammenleben im Umfeld geklärt werden. Als Ansprechpartner stehen künftig das Sozialamt, der beauftragte Sicherheitsdienst und die zuständige Sozialarbeit zur Verfügung.
Zahl der Übernachtungen hat sich verfünffacht
Wie stark der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten gestiegen ist, zeigen die von der Stadt genannten Übernachtungszahlen wohnungsloser Familien. Innerhalb von zehn Jahren erhöhte sich die Zahl von knapp 6.000 auf etwa 33.000 Übernachtungen. Damit hat sie sich mehr als verfünffacht.
Um auch künftig ausreichend Kapazitäten bereitzustellen, hatte die Stadt bereits zusätzliche Unterkünfte ins Auge gefasst. Vorgesehen waren zwei weitere Standorte, darunter eine Einrichtung mit knapp 100 Plätzen. Ziel der bisherigen Planung ist es, bis zum Jahr 2030 genügend Unterbringungsmöglichkeiten für die erwartete Entwicklung des Bedarfs zu schaffen.
Wuppertal plant neue Unterkunft für wohnungslose Familien in der Schleichstraße
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