Historisches Lehrmodell wird aufwendig restauriert
Ein außergewöhnliches Stück Wuppertaler Schul- und Technikgeschichte soll wieder funktionsfähig werden. Das fast 200 Jahre alte Tischplanetarium des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums befindet sich derzeit in der Wuppertaler Schreinerei Otterbein. Das historische Instrument ist stark verschmutzt, teilweise beschädigt und an mehreren Stellen verblasst. Vor allem die Mechanik ist nicht mehr funktionsfähig.
Geplant ist eine umfassende Restaurierung, bei der sowohl die technische Konstruktion als auch die wertvollen Holzelemente und Beschriftungen erhalten werden sollen. Das Planetarium gilt als besonders bedeutendes historisches Lehrmodell, weil sich astronomische Bewegungsabläufe an ihm anschaulich nachvollziehen lassen.
Astronomisches Wissen aus dem Jahr 1828
Gefertigt wurde das Tischplanetarium im Jahr 1828 von dem Wuppertaler Schreiner Heinrich Aeuer. Das aus hochwertigem Mahagoni gefertigte Modell bildet das Sonnensystem mit Sonne, Planeten und Monden ab. Über eine Kurbel beziehungsweise ein Pendel konnten die Himmelskörper bewegt und ihre Bewegungen demonstriert werden.
Für den damaligen Schulunterricht war das Instrument eine technisch anspruchsvolle Möglichkeit, astronomische Zusammenhänge unmittelbar darzustellen. Die Konstruktion zeugt zugleich von einem außergewöhnlich umfangreichen astronomischen Wissen. Der Physik-, Mathematik- und Astronomielehrer Michael Winkhaus vom Carl-Fuhlrott-Gymnasium hebt insbesondere die Detailgenauigkeit des Modells hervor. Aeuer habe sich bei der Konstruktion Kenntnisse angeeignet, die dem Umfang eines vollständigen Astronomiestudiums entsprächen, obwohl er selbst nie an einer Hochschule studiert habe.
Nach Jahrzehnten im Museum wieder in Wuppertal
Das Gymnasium erwarb das Planetarium einst für 920 Taler. Nach heutiger Kaufkraft beziehungsweise unter Berücksichtigung der damaligen Größenordnung wird der Wert mit mehr als 200.000 Euro angegeben.
Zunächst wurde das Instrument in der Schule genutzt. Später gelangte es als Leihgabe an das Deutsche Museum in München. Dort geriet es nach einem Umbau in Vergessenheit und wurde schließlich in einem Keller eingelagert.
Erst ein im Schularchiv entdeckter Briefwechsel zwischen der Schule und dem Museum brachte die Geschichte des Planetariums wieder in Erinnerung. Die Recherchen führten dazu, dass das historische Lehrmodell nach Wuppertal zurückkehrte. Nun soll es für das Jubiläum des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums im Jahr 2030 restauriert werden.
Mehr als 500 Zahnräder müssen dokumentiert werden
Eine der größten Herausforderungen stellt die komplexe Mechanik dar. Der Solinger Spezialist für historische Sternwartentechnik Andreas Berger soll das Antriebssystem wieder funktionsfähig machen. Nach seiner Einschätzung könnte die technische Restaurierung ein bis zwei Jahre dauern.
Das Planetarium verfügt über mehr als 500 Zahnräder, die ineinandergreifen und miteinander verbunden sind. Jedes einzelne Bauteil muss zunächst gereinigt und anschließend genau dokumentiert werden. Dabei kommt es unter anderem auf die jeweilige Position und Drehrichtung der Zahnräder an. Nur eine vollständige Dokumentation ermöglicht es, die komplizierte Mechanik anschließend wieder korrekt zusammenzusetzen.
Auch das historische Holz stellt Restauratoren vor Herausforderungen
Neben der Mechanik erfordert auch die äußere Gestaltung besondere Sorgfalt. Das Planetarium besteht unter anderem aus hochwertigem Pyramiden-Mahagoni, einem heute äußerst seltenen und kostspieligen Furnier.
Tischlermeister und Restaurator Daniel Otterbein kann für die Arbeiten noch auf einige historische Holzbestände in seiner Werkstatt zurückgreifen. Dadurch besteht die Möglichkeit, beschädigte Bereiche möglichst materialgerecht zu ergänzen.
Auch die verblassten Schriften und astronomischen Darstellungen sollen erhalten und aufgearbeitet werden. Für diesen Teil der Restaurierung ist die Remscheider Papierrestauratorin Marita Kuhn vorgesehen.
Restaurierung kostet voraussichtlich einen sechsstelligen Betrag
Die aufwendige Wiederherstellung ist mit erheblichen Kosten verbunden. Michael Winkhaus rechnet mit einer Summe im sechsstelligen Bereich. Für die Finanzierung werden daher Sponsoren gesucht.
Bis zum Schuljubiläum 2030 soll das Planetarium nicht nur technisch wieder funktionieren, sondern auch einen angemessenen Präsentationsort erhalten. Vorgesehen ist ein Raum, der einen historischen Klassenraum aus der Zeit vor rund 200 Jahren nachempfinden soll. Im Mittelpunkt könnte das restaurierte Tischplanetarium stehen. Eine erste digitale Darstellung dieser geplanten Präsentation liegt bereits vor.
Wuppertaler Tischplanetarium soll für die Zukunft gerettet werden
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