Wuppertals Fassaden werden zur Bühne der Kunst

Daniel H/CCA



Murals prägen das Stadtbild und erinnern an das Erbe von Pina Bausch

Wuppertal hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Zentrum für Street Art entwickelt. Entlang der Talachse entstanden zahlreiche großformatige Wandgemälde, die das Stadtbild nachhaltig verändert haben. Insgesamt 50 Murals machen die Stadt heute zu einer weitläufigen Open-Air-Galerie und ziehen Kunstinteressierte weit über die Region hinaus an. Eine besondere Rolle spielt dabei das künstlerische Erbe der Choreografin Pina Bausch.

Obwohl das geplante Pina-Bausch-Zentrum in Elberfeld voraussichtlich erst in den kommenden Jahren eröffnet wird, ist die international renommierte Tanztheater-Ikone bereits sichtbar im öffentlichen Raum präsent. Unter dem Titel „Wuppertal tanzt“ entstand eine Serie von 16 Fassadenbildern in verschiedenen Stadtteilen. Die Werke greifen Motive aus bekannten Choreografien auf und übertragen deren Ausdruckskraft in die Sprache der Street Art.

Das Projekt verbindet lokale Identität mit internationaler Kunst. Künstler aus Städten, in denen das Tanztheater Wuppertal über Jahrzehnte gastierte, wurden eingeladen, ihre Sicht auf das Werk von Pina Bausch in großformatigen Wandbildern umzusetzen. So entstand an der Elberfelder Straße eine Interpretation der Produktion „Palermo Palermo“ durch den sizilianischen Künstler Andrea Buglisi. Ein weiteres Werk des chilenischen Künstlers Inti an der Kapelle des Evangelischen Friedhofs an der Krummacherstraße greift Motive aus dem Stück „Wie das Moos auf dem Stein“ auf.

Die Entwicklung Wuppertals zu einem überregional beachteten Street-Art-Standort ist maßgeblich einer privaten Initiative zu verdanken. Der Verein WupperOne929 UrbanArt ermöglichte zwischen 2023 und 2025 die Entstehung von insgesamt 50 Murals. Künstler und Kollektive aus verschiedenen Ländern gestalteten Fassaden entlang der Wupper und schufen damit einen neuen kulturellen Anziehungspunkt.

Ausgangspunkt dieser Entwicklung war das Projekt „Urbaner Kunstraum Wuppertal“. Im Rahmen dieser Initiative entstanden 34 überwiegend figurative Wandbilder zwischen Vohwinkel und Langerfeld. Ziel war es, Kunst außerhalb klassischer Ausstellungsräume für ein breites Publikum zugänglich zu machen und gleichzeitig die Besonderheiten der jeweiligen Quartiere sichtbar zu machen. Die Werke greifen lokale Themen auf und stärken die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil.

Ein Beispiel dafür ist das Mural „Between Chaos & Care“ in Oberbarmen-Schwarzbach. Der in Berlin lebende argentinische Künstler Guido Palmadessa setzte sich dort intensiv mit der Arbeit der Wuppertaler Tafel auseinander. Das Wandbild thematisiert den Schutz und die Unterstützung, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch die Einrichtung erfahren.

Auch die Schwebebahn als prägendes Wahrzeichen der Stadt findet sich in mehreren Werken wieder. An der Wesendonkstraße schuf der australische Künstler Guido van Helten eine großformatige Fassadenarbeit, die von der nahegelegenen Station Kluse inspiriert wurde und architektonische Elemente der Schwebebahn aufgreift.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt zudem das Werk „Switch“ an der Grönhoffstraße. Das Schweizer Künstlerduo Nevercrew zeigt dort einen Elefanten, der sich über einer Miniaturdarstellung der Schwebebahn in einem Glasbehälter bewegt. Viele Betrachter sehen darin einen Bezug zur berühmten Geschichte des Zirkuselefanten Tuffi, der 1950 aus einer fahrenden Schwebebahn in die Wupper sprang.

Tatsächlich entstand diese Deutung erst nach Fertigstellung des Kunstwerks. Die Künstler hatten die Wuppertaler Geschichte zum Zeitpunkt der Planung nicht gekannt. Dennoch entwickelte sich die Verbindung zu Tuffi schnell zu einer weit verbreiteten Interpretation und zeigt, wie eng öffentliche Kunstwerke mit den Erinnerungen und Erzählungen einer Stadt verknüpft werden können.

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