Wuppertal. Ein 91-jähriger Mann aus Wuppertal hat durch seine schnelle Reaktion dazu beigetragen, einen mutmaßlichen Trickbetrüger festzunehmen. Die Täter hatten versucht, ihn am Telefon als angebliche Bankmitarbeiter unter Druck zu setzen und an seine EC-Karten samt PIN zu gelangen.
Der erste Anruf erreichte den Senior am Dienstag. Eine Frau gab sich als Mitarbeiterin seiner Bank aus und behauptete, es gebe Unregelmäßigkeiten bei seinem Konto. Um das Problem zu beheben, verlangte sie die PIN seiner EC-Karte. Der 91-Jährige blieb misstrauisch und gab die verlangten Daten zunächst nicht heraus.
Stattdessen informierte er die Polizei. Kurz darauf meldete sich die angebliche Bankmitarbeiterin erneut. Unter dem anhaltenden Druck des Telefonats gab der Mann diesmal seine Geheimnummer preis. Anschließend wurde ihm angekündigt, ein Bankmitarbeiter werde persönlich vorbeikommen und seine EC-Karten abholen.
Polizei und Täter treffen nahezu gleichzeitig ein
Damit begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Während sich der angekündigte Abholer auf den Weg zum Wohnort des Seniors machte, schickte die Polizei eine Streife zu seiner Adresse.
Der Mann erschien tatsächlich und nahm dem 91-Jährigen die beiden EC-Karten an der Haustür ab. Wenig später konnten Polizeibeamte einen 26 Jahre alten Tatverdächtigen festnehmen.
Nach Angaben der Ermittler befindet sich der Mann inzwischen in Untersuchungshaft. Er soll ohne festen Wohnsitz und ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs gewesen sein. Zudem stand er den Angaben zufolge unter Drogeneinfluss. An dem von ihm genutzten Fahrzeug waren falsche Kennzeichen angebracht. Die Ermittler prüfen, ob der 26-Jährige mit weiteren Betrugsfällen in Verbindung steht.
Trickbetrug verursacht hohe Schäden
Der Fall des 91-Jährigen endete ohne finanziellen Verlust. Viele andere ältere Menschen werden jedoch Opfer vergleichbarer Methoden. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums waren Trickbetrüger im Jahr 2024 in knapp 2.300 Fällen erfolgreich. Der dabei entstandene Schaden belief sich auf nahezu 36 Millionen Euro.
Auch im Bergischen Land kommt es regelmäßig zu solchen Taten. Die Täter treten dabei unter anderem als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Verwandte auf und erzeugen mit erfundenen Notlagen erheblichen psychischen Druck.
Mehrere Fälle im Bergischen Städtedreieck
In Wuppertal-Vohwinkel wurde im Februar eine 81 Jahre alte Frau von falschen Polizeibeamten und einem angeblichen Staatsanwalt getäuscht. Sie übergab den Tätern wertvollen Schmuck.
Wenige Tage später wurde ein älteres Ehepaar in Solingen mit der erfundenen Behauptung konfrontiert, die Tochter habe bei einem Verkehrsunfall ein Kind schwer verletzt. Unter dem Hinweis auf eine angeblich notwendige Kaution übergab das Paar Bargeld an einen Unbekannten.
Ende Mai wurden in Wuppertal-Elberfeld innerhalb weniger Stunden zwei weitere Frauen Opfer von Trickbetrügern. Eine 66-Jährige übergab nach einem Schockanruf ihr gesamtes Bargeld. Eine 77-Jährige wurde dazu gebracht, Bargeld und Schmuck in eine Tasche zu legen und diese anschließend an einer Bushaltestelle einer unbekannten Frau auszuhändigen.
Im Juni erhielt eine 87 Jahre alte Frau aus Remscheid einen Anruf mit der erfundenen Nachricht, ihr Enkel liege im Krankenhaus und benötige dringend Geld für ein lebensnotwendiges Medikament. Sie übergab daraufhin Bargeld und Schmuck.
In Solingen wurde eine 86-Jährige im Juli innerhalb einer Woche zweimal mit der Behauptung konfrontiert, ihr Enkel sei in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt. In beiden Fällen übergab sie Geld und Wertgegenstände, bevor die Polizei von den Vorgängen erfuhr.
Die Polizei Wuppertal hat für Wuppertal, Solingen und Remscheid eine eigene Präventionskampagne gegen Telefonbetrug gestartet. Unter dem Titel „Gut aufgelegt! Telefonbetrug kann jeden treffen“ soll über die unterschiedlichen Betrugsmaschen aufgeklärt und insbesondere ältere Menschen für die Vorgehensweise der Täter sensibilisiert werden.
91-Jähriger unterstützt Polizei bei Festnahme mutmaßlicher Trickbetrüger
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