Architektin sieht großes Potenzial für Pina-Bausch-Zentrum in Wuppertal

DanielH/CCA



Die renommierte New Yorker Architektin Liz Diller hält unverändert an ihrer Vision für das geplante Pina-Bausch-Zentrum in Wuppertal fest. Nach ihrem Erfolg im internationalen Architekturwettbewerb im Jahr 2023 arbeitet ihr Büro derzeit an der weiteren Ausgestaltung des Projekts, das nach ihrer Vorstellung weit über die Funktion eines klassischen Kulturbaus hinausgehen soll.

Im Rahmen eines Interviews, das im Auftrag der Stadt Wuppertal veröffentlicht wurde, beschreibt Diller das Zentrum als möglichen Impulsgeber für die gesamte Stadtentwicklung. Dabei verweist sie auf die internationale Strahlkraft bedeutender Kulturbauten, die in der Vergangenheit ganze Regionen aufgewertet und neue Besuchergruppen angezogen haben. Auch für Wuppertal sieht sie die Chance, durch das Pina-Bausch-Zentrum überregional und international stärker wahrgenommen zu werden.

Architektur soll Stadt und Kultur verbinden

Der Entwurf setzt bewusst auf eine enge Verzahnung mit dem städtischen Umfeld. Statt eines abgeschlossenen Kulturkomplexes soll ein offenes Quartier entstehen, das bestehende Stadtstrukturen aufnimmt und neue Verbindungen schafft. Inspiration lieferten dabei sowohl das industrielle Erbe Wuppertals als auch die unmittelbare Nähe zur Schwebebahn.

Geplant ist unter anderem eine Aufwertung der Bundesallee zu einem begrünten Boulevard. An der Hofaue soll ein neuer öffentlicher Platz entstehen, der die Verbindung zur Innenstadt stärkt. Ergänzend ist eine Fußgängerbrücke über die Wupper vorgesehen, die das Zentrum direkt mit der Südstadt verknüpfen soll.

Offener Innenhof bildet das Herzstück

Zentrales Element des Gebäudes ist ein großzügiger Innenhof, der sich über mehrere Ebenen erstreckt. Dieser sogenannte Performance Courtyard soll Raum für Aufführungen, Veranstaltungen und Begegnungen bieten. Rund um diesen offenen Kern gruppieren sich die verschiedenen Nutzungsbereiche des Zentrums.

Im nördlichen Gebäudeteil entsteht der Eingangs- und Empfangsbereich. Das Archiv für das künstlerische Erbe von Pina Bausch wird im Osten angesiedelt. Südlich des Innenhofs ist ein multifunktionaler Veranstaltungsraum vorgesehen, der unter anderem für Installationen, offene Proben und Aufführungen genutzt werden kann. Im westlichen Bereich entsteht mit „The Kitchen“ ein öffentlich zugänglicher Treffpunkt mit gastronomischem Angebot, an dem Besucher, Künstler und Mitarbeiter zusammenkommen sollen.

Industrielle Gestaltung als bewusstes Konzept

Bei der Materialwahl verfolgt das Architekturbüro einen bewusst reduzierten Ansatz. Kanalglas, Sichtbeton und Stahl prägen das Erscheinungsbild des Gebäudes. Die Gestaltung orientiert sich an industriellen Strukturen und verzichtet gezielt auf dekorative Elemente. Gleichzeitig soll diese Bauweise dazu beitragen, die Kosten im Rahmen zu halten.

Deutliche Kostensteigerungen seit Projektbeginn

Das Vorhaben steht seit Jahren im Fokus politischer und öffentlicher Diskussionen. Während die Kosten im Jahr 2018 noch mit rund 60 Millionen Euro kalkuliert wurden, belaufen sich die aktuellen Schätzungen inzwischen auf 161,2 Millionen Euro.

Um die finanzielle Belastung zu begrenzen, wurden bereits mehrere Bestandteile der ursprünglichen Planung gestrichen. Dazu zählen unter anderem der sogenannte Wupperblick über dem Fluss sowie die ursprünglich vorgesehene bewegliche Überdachung des zentralen Innenhofs.

Trotz der angespannten Haushaltslage der Stadt sieht die Verwaltung das Projekt weiterhin nicht gefährdet. Ein alternatives Szenario für den Fall weiterer Kostensteigerungen liegt derzeit jedoch nicht vor.

Entscheidende politische Weichenstellung im Herbst

Derzeit befindet sich das Projekt in der abschließenden Phase der Entwurfsplanung. Die Ergebnisse sollen im Juli öffentlich vorgestellt werden. Eine zentrale Entscheidung steht anschließend im September 2026 an, wenn der Wuppertaler Stadtrat über die Umsetzung des Projekts abstimmt.

Die Eröffnung des Pina-Bausch-Zentrums ist nach aktuellem Stand für das Jahr 2032 vorgesehen.

Internationale Architektin mit enger Verbindung zu Pina Bauschs Werk

Liz Diller wurde in Polen geboren und wanderte als Kind mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten aus. Nach ihrem Architekturstudium an der Cooper Union School of Architecture gründete sie gemeinsam mit Ricardo Scofidio das Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro, das heute zu den bekanntesten Architekturbüros der Welt zählt.

Internationale Anerkennung erhielt Diller unter anderem durch das „Blur Building“ für die Schweizer Landesausstellung im Jahr 2002. Mit ihrem Entwurf für das Pina-Bausch-Zentrum setzte sich ihr Büro 2023 gegen die internationale Konkurrenz durch.

Die persönliche Verbindung der Architektin zu Pina Bauschs Werk reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Prägende Aufführungen des Tanztheaters in New York beeinflussten nach eigenen Angaben ihr Verständnis von Kunst und Kreativität nachhaltig. Dieses Verständnis soll sich nun auch im architektonischen Konzept des Pina-Bausch-Zentrums widerspiegeln, das bewusst traditionelle Vorstellungen von Kulturbauten hinterfragen und neue Formen der Begegnung ermöglichen soll.

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