Künstliche Befruchtung im Zoo Wuppertal: Beitrag zum Erhalt genetischer Vielfalt

Atamari/CCA


Wuppertal. Im Grünen Zoo Wuppertal ist kürzlich ein bedeutender Schritt im modernen Zuchtmanagement erfolgt: Die Löwin „Amera“ wurde im Rahmen eines aufwendig koordinierten Verfahrens künstlich besamt. Ziel dieser Maßnahme ist es, langfristig stabile und genetisch gesunde Populationen Afrikanischer Löwen in zoologischen Einrichtungen zu sichern.
Die Initiative ist Teil eines umfassenden Konzepts, das sich an den natürlichen Sozialstrukturen der Tiere orientiert. In freier Wildbahn leben Löwen in komplexen Rudeln, deren Kern aus eng verwandten Weibchen besteht, während männliche Tiere nach Erreichen der Geschlechtsreife abwandern und später in Koalitionen neue Rudel übernehmen. Diese Dynamik soll auch im Zoo möglichst realitätsnah abgebildet werden.
Derzeit entspricht die Zusammensetzung der Wuppertaler Löwengruppe noch nicht diesem Ideal. Zwei ältere Männchen gehören einer anderen Unterart an als die dort gehaltenen Weibchen, weshalb eine gemeinsame Fortpflanzung ausgeschlossen ist. Um eine genetisch saubere Linie zu gewährleisten, wurde daher auf die künstliche Befruchtung zurückgegriffen.
Für das Verfahren wurde das Sperma eines genetisch passenden Katers aus einem belgischen Zoo verwendet. Diese Methode ermöglicht es, genetisch wertvolle Tiere in die Zucht einzubeziehen, ohne sie transportieren zu müssen. Sollte die Befruchtung erfolgreich sein, könnten nach einer Tragzeit von rund 100 bis 115 Tagen Jungtiere geboren werden, die perspektivisch den Grundstein für ein neues Rudel bilden.
Die Umsetzung erforderte eine präzise Abstimmung zwischen mehreren Fachstellen. Nach Feststellung der Paarungsbereitschaft wurde umgehend ein internationales Expertenteam eingebunden. In Belgien wurde das benötigte Ejakulat unter Narkose gewonnen, fachgerecht aufbereitet und für den Transport vorbereitet. Um Zeitverluste zu vermeiden, erfolgte die Übergabe auf halber Strecke zwischen beiden Zoos.
Parallel dazu wurde die Löwin in Wuppertal hormonell auf den Eingriff vorbereitet, um den Eisprung gezielt auszulösen. Am folgenden Tag wurde das Tier sediert und zunächst per Ultraschall untersucht. Dabei bestätigte sich die Empfängnisbereitschaft durch mehrere entwickelte Follikel.
Im Anschluss wurde das aufbereitete Sperma mittels Sonde direkt am Muttermund appliziert. Ergänzende Maßnahmen, darunter eine spezielle Lagerung sowie mechanische Reize, sollten die natürlichen Bedingungen einer Paarung möglichst exakt simulieren.
Trotz optimaler Vorbereitung bleibt der Erfolg des Eingriffs ungewiss. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Maßnahme zur erhofften Trächtigkeit führt.

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