Die umfassende Sanierung und Erweiterung der Realschule Vohwinkel wird deutlich mehr Zeit und Geld in Anspruch nehmen als ursprünglich vorgesehen. Nach aktuellen Angaben des Gebäudemanagements Wuppertal kann das Schulgebäude frühestens zu den Herbstferien 2029 an den Stadtbetrieb Schulen übergeben werden. Bislang war eine Fertigstellung im dritten Quartal 2028 vorgesehen.
Mit der Verzögerung steigen auch die Projektkosten. Die bislang veranschlagten Gesamtausgaben von rund 32,47 Millionen Euro erhöhen sich um weitere 2,1 Millionen Euro.
Unerwartete Schäden im Bestand
Der Rat der Stadt Wuppertal hatte die Gesamtsanierung und den Ausbau des Hauptgebäudes im Mai 2023 beschlossen. Ursprünglich sollte das Vorhaben mit Bundesfördermitteln finanziert werden. Da das Förderprogramm jedoch keinen Neubau zuließ, fiel die Entscheidung zugunsten einer Sanierung des bestehenden Gebäudes.
Nach der Entkernung und vertieften Untersuchungen zeigten sich jedoch erhebliche Abweichungen zwischen den historischen Bauplänen und dem tatsächlichen Zustand des Gebäudes. Dadurch wurden umfangreiche zusätzliche Arbeiten erforderlich. Unter anderem mussten tragende Bauteile aufwendig ertüchtigt und Betonschäden umfassend beseitigt werden. Aufgrund der eingetretenen Verzögerungen konnten die vorgesehenen Fördermittel nicht mehr in Anspruch genommen werden. Die Finanzierung erfolgt nun vollständig über Kredite der Stadt.
Historische Fundamente sorgen für neue Probleme
Die größten Herausforderungen liegen derzeit im Bereich der Gründung des Gebäudes. Untersuchungen ergaben, dass die vorhandenen historischen Fundamente die zusätzlichen Lasten der geplanten Aufstockung nicht sicher aufnehmen können.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Untergrund stark wechselnde geologische Bedingungen aufweist. Harte Kalksteinschichten wechseln sich mit tiefen, lehmgefüllten Spalten ab. Unter einem Gebäudeteil wurde zudem festgestellt, dass die Bodenplatte teilweise nahezu hohl liegt und erhebliche Korrosionsschäden aufweist.
Um die notwendige Tragfähigkeit sicherzustellen, müssen Fachfirmen rund 100 Mikropfähle tief im Fels verankern. Da die Bedingungen an den einzelnen Fundamentpunkten stark variieren, ist eine gesonderte Untersuchung jeder einzelnen Gründungsstelle erforderlich.
Zusätzliche Kosten durch Spezialmaßnahmen
Neben den Problemen im Fundamentbereich führen weitere technische Herausforderungen zu Mehraufwand. Für die bestehenden Deckenkonstruktionen standen keine zugelassenen Befestigungssysteme zur Verfügung. Daher mussten zunächst alternative Lösungen geprüft und deren Tragfähigkeit nachgewiesen werden. Dies erhöht nun den Aufwand bei der Installation der technischen Gebäudeausrüstung.
Allein für zusätzliche Erd- und Spezialtiefbauarbeiten entstehen Mehrkosten von rund 720.000 Euro. Die verlängerte Nutzung des Ausweichstandortes an der Yorckstraße sowie zusätzliche Aufwendungen für Baustelleneinrichtung und Gerüste verursachen weitere Kosten von etwa 1,16 Millionen Euro. Hinzu kommen rund 220.000 Euro für zusätzliche Planungsleistungen.
Weitere Unsicherheiten belasten den Bauablauf
Auch künftig sind weitere Verzögerungen und Kostensteigerungen nicht ausgeschlossen. Erste Untersuchungen der Bestandsdecken haben gezeigt, dass dort verbaute Stahlelemente teilweise ungeschützt liegen und Korrosionsschäden aufweisen. Ob eine umfassende Sanierung sämtlicher Decken erforderlich wird, ist derzeit noch Gegenstand weiterer Prüfungen.
Zudem wurden an der Ostfassade erhebliche Abweichungen zwischen den vorhandenen Fundamenten und den historischen Planunterlagen festgestellt. Die komplexe Gesamtsituation erschwert die statischen Nachweise erheblich. Das beauftragte Ingenieurbüro muss fortlaufend neue Erkenntnisse in die Berechnungen einarbeiten, wodurch sich auch die Bestellung vorgefertigter Deckenelemente verzögert.
Darüber hinaus bleibt die geologische Situation des Grundstücks ein Risikofaktor. Das Areal gilt als erdfallgefährdet, nachdem es dort in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Bodeneinbrüchen gekommen war. Derzeit wird untersucht, ob mögliche Unterspülungen weitere Auswirkungen auf die Bauarbeiten haben könnten.
Sanierung der Realschule Vohwinkel verzögert sich deutlich
Danielh/CCA