Akkordeon-Orchester verbindet Filmmusik, Tango und Pop

Daniel H/CCA



Landes-Jugend-Akkordeon-Orchester NRW gastiert in der Bandfabrik

Wuppertal-Langerfeld. Das Akkordeon hat viele Klangfarben – vom kammermusikalisch zurückhaltenden Ton bis zum kraftvollen Orchesterklang. Beim Konzert des Landes-Jugend-Akkordeon-Orchesters Nordrhein-Westfalen (LJAO) in der Bandfabrik konnten sich die Besucher von dieser Bandbreite überzeugen. Ein neunköpfiges Ensemble gestaltete dort einen abwechslungsreichen Konzertabend mit Werken aus Klassik, Filmmusik, Tango und Pop.

Ursprünglich sollte die Veranstaltung unter dem Titel „Unterm Kirschbaum“ im Freien stattfinden. Wegen der unsicheren Wetterlage wurde das Konzert in die Bandfabrik verlegt. Das Ensemble mit fünf jungen Frauen und vier jungen Männern war aus verschiedenen Teilen Nordrhein-Westfalens angereist. Anlass war ein intensives Probenwochenende, das mit dem Auftritt in Wuppertal seinen musikalischen Abschluss fand.

Das LJAO besteht seit 1986 und wird vom Land Nordrhein-Westfalen sowie vom Deutschen Harmonika Verband unterstützt. Dem Orchester gehören bis zu 25 Akkordeonisten im Alter zwischen 16 und 26 Jahren an. Zahlreiche Mitglieder haben bereits erfolgreich an Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ teilgenommen.

Vom Konzertwerk bis zur Filmmusik

Den Auftakt bildete Rudolf Würthners „Festival-Ouvertüre“. Das Werk des 1920 geborenen und 1974 gestorbenen Komponisten, der mit dem Hohner-Orchester große Erfolge feierte, machte unmittelbar deutlich, welche Möglichkeiten das Instrument im Zusammenspiel bietet.

Besonders eindrucksvoll fiel die musikalische Darstellung der Legende um König Arthur aus. Das Ensemble wechselte zwischen lyrischen Passagen, spannungsgeladenen Abschnitten und kraftvollen orchestralen Sequenzen. Romantische Momente und dramatische Szenen gingen ineinander über und ließen die Geschichte musikalisch lebendig werden.

Für das LJAO war es zugleich der erste Auftritt unter der Leitung von Peter Lohmar, der das Orchester seit diesem Jahr führt. Der 37-jährige Akkordeonist studierte sein Instrument an der Hochschule für Musik in Wuppertal. Mit präziser Zeichengebung und einer dynamischen Interpretation führte er die neun Musiker durch das anspruchsvolle Programm.

Auch Astor Piazzollas „Melodie in a-Moll“ zeigte eine andere Seite des Instruments. Tief empfundene Melodiebögen, die klanglich an das Bandoneon erinnerten, und charakteristische Tangorhythmen verliehen dem Stück eine ausgeprägt emotionale Atmosphäre.

Virtuosität zwischen Minimal Music und Pop

Das Konzertprogramm setzte anschließend auf einen deutlichen stilistischen Wechsel. In „Tetraeder“ von Hans-Günther Kölz standen rhythmische Präzision und spielerische Elemente im Mittelpunkt. Bewegte Klangfiguren, Einflüsse der Minimal Music, markante Schlagzeugrhythmen und eingängige Melodien verlangten den Musikern hohe technische Sicherheit ab.

Mit „Sandstorm“ folgte ein besonders temporeiches Werk, das die klanglichen Möglichkeiten des Akkordeonorchesters nahezu symphonisch ausschöpfte. Danach sorgte Josef Hellmesbergers „Teufelstanz“ mit schnellen Passagen und späteren Walzerrhythmen für einen weiteren stilistischen Kontrast.

Filmmusik bildete einen weiteren Schwerpunkt des Abends. Die Musik aus „Fluch der Karibik“ entwickelte sich aus zunächst nervösen und flirrenden Motiven zu einem kraftvollen, wiedererkennbaren Orchestersatz.

Mit einem Werk über einen schwedischen Sommer schlug das Ensemble anschließend ruhigere und romantischere Töne an. Den Übergang zur Popmusik markierte ein Robbie-Williams-Medley. Dabei bewiesen die Musiker, dass sich auch moderne Unterhaltungsmusik mit hoher technischer und musikalischer Präzision auf dem Akkordeon umsetzen lässt.

„Instrument des Jahres“ im Mittelpunkt

Das Konzert fügte sich zugleich in das Themenjahr des Akkordeons ein. Die deutschen Landesmusikräte haben das Instrument für 2026 zum „Instrument des Jahres“ bestimmt. Damit soll seine Bedeutung stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.

Das Akkordeon wurde vor knapp 200 Jahren in Wien zum Patent angemeldet. Seitdem hat es sich von einem zunächst vor allem im populären und volkstümlichen Bereich eingesetzten Instrument zu einem vielseitigen Konzertinstrument entwickelt. Sein Einsatz reicht heute von klassischer Musik und zeitgenössischen Kompositionen über Tango und Filmmusik bis hin zu Pop.

Nach rund zwei Stunden endete das Konzert mit lang anhaltendem Applaus. Als Zugabe spielte das Ensemble „Schrei nach Liebe“ der Berliner Band Die Ärzte in einer von Peter Lohmar für Akkordeonorchester eingerichteten Fassung.

Großes LJAO-Konzert im Oktober

Das Landes-Jugend-Akkordeon-Orchester NRW wird im Herbst erneut in Wuppertal zu erleben sein. Am Sonntag, 4. Oktober, um 16 Uhr tritt das große Ensemble im Kulturzentrum Immanuel auf.

Auf dem Programm stehen sinfonische Klassiker, moderne Originalkompositionen und Filmmusik. Anders als beim Konzert in der Bandfabrik wird dann das gesamte Orchester mit einer größeren Besetzung zu hören sein.

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