„Einmal Narkose für alles, geht das?“: Dr. med. Hamid Joneidi Jafari über Kombi-Eingriffe in der plastischen Chirurgie

Wer sich einmal operieren lässt, möchte oft möglichst viel in einem Schritt erledigen. Das ist nachvollziehbar. Bauchstraffung und Brustkorrektur in einer Sitzung? Für viele Patientinnen klingt das sinnvoll: eine Narkose, eine Erholungsphase, ein gebündeltes Ergebnis. Medizinisch kann das tatsächlich ein guter Ansatz sein. Aber nur dann, wenn der Eingriff sauber geplant ist, die OP-Zeit realistisch bleibt und die Rahmenbedingungen stimmen.

Dr. med. Hamid Joneidi Jafari, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie und ärztlicher Leiter des Ästhetik-Centrums am Husemannplatz in Bochum, erklärt, warum Kombinationsoperationen nicht pauschal gut oder schlecht sind. Entscheidend ist nicht die Wunschliste, sondern die medizinische Abwägung: Welche Eingriffe sollen kombiniert werden? Wie lange dauert die Operation? Wie gesund ist die Patientin? Und findet der Eingriff in einem Setting statt, das auch größere Operationen sicher betreuen kann?

Kombi-Eingriffe: ein Trend mit medizinischer Substanz

Kombinierte Operationen sind in der plastischen Chirurgie längst etabliert. Besonders das sogenannte Mommy Makeover, also eine Kombination aus Bauchdeckenstraffung, Brustkorrektur und gegebenenfalls Fettabsaugung nach Schwangerschaft und Stillzeit, ist für viele Frauen ein relevantes Thema. Der Gedanke dahinter ist einfach: Schwangerschaft und Stillzeit verändern den Körper oft an mehreren Stellen gleichzeitig. Deshalb liegt es nahe, auch mehrere Veränderungen in einem abgestimmten Eingriff zu behandeln.

Nicht jede körperliche Veränderung lässt sich durch Sport oder Ernährung vollständig rückgängig machen. Eine ausgeprägte Rektusdiastase, also ein Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur, kann häufig nur operativ korrigiert werden. Auch Brustform und Brustvolumen verändern sich nach Schwangerschaft und Stillzeit oft dauerhaft. Wenn Bauch und Brust gleichzeitig betroffen sind, stellt sich daher schnell die Frage, ob beides in einer Operation behandelt werden kann.

Genau hier beginnt die eigentliche medizinische Planung. Denn eine Kombinationsoperation ist nicht automatisch riskanter, nur weil zwei Regionen behandelt werden. Umgekehrt ist sie auch nicht automatisch sicher, nur weil man sich eine zweite Narkose spart. Entscheidend ist, wie belastend der gesamte Eingriff für den Körper wird.

OP-Dauer ist wichtig, aber sie muss richtig eingeordnet werden

Ein häufig genannter Risikofaktor bei Kombi-Eingriffen ist die Narkose- und OP-Dauer. Das ist grundsätzlich richtig. Je länger ein Eingriff dauert, desto stärker müssen Kreislauf, Gerinnungssystem, Temperaturhaushalt und Wundheilung berücksichtigt werden. Studien aus der plastischen Chirurgie zeigen, dass mit längerer OP-Zeit die allgemeine Komplikationswahrscheinlichkeit ansteigt. In einer Analyse von 1753 plastisch-chirurgischen Fällen stieg die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen pro zusätzlicher OP-Stunde um 21 Prozent; ab etwa drei Stunden nahm das Risiko messbar zu, bei deutlich längeren Eingriffen stärker.

Wichtig ist aber: Vier Stunden OP-Zeit sind nicht immer gleich vier Stunden OP-Zeit. Eine Brustverkleinerung, die vier Stunden dauert, ist anders zu bewerten als eine Kombinationsoperation aus Brustverkleinerung und Bauchdeckenstraffung, die zusammen vier Stunden dauert. Im ersten Fall wird sehr lange in einem einzigen OP-Gebiet gearbeitet. Das Gewebe ist dort länger offen, wird länger manipuliert und ist länger einer möglichen Keimbelastung ausgesetzt. Dadurch kann insbesondere das lokale Infektionsrisiko in diesem einen Bereich steigen.

Bei einer Kombinationsoperation verteilt sich die Zeit dagegen auf mehrere OP-Gebiete. Wenn eine Brustoperation zwei Stunden dauert und anschließend eine Bauchdeckenstraffung zwei Stunden, bedeutet das nicht automatisch, dass die Brust dasselbe lokale Risiko trägt wie bei einer vierstündigen Brustoperation. Für das Infektionsrisiko einer einzelnen Wunde ist also nicht nur die gesamte OP-Dauer entscheidend, sondern auch, wie lange und wie intensiv genau an diesem Gebiet operiert wird. Allgemein ist der Zusammenhang zwischen längerer Operationsdauer und Wundinfektionen gut beschrieben; eine systematische Übersichtsarbeit fand eine zunehmende Infektionswahrscheinlichkeit mit längerer OP-Zeit, beispielhaft um 37 Prozent pro zusätzlicher Stunde.

Das bedeutet: Eine längere Operation in einem einzigen Gebiet kann andere Risiken mit sich bringen als eine gleich lange Kombinationsoperation in mehreren Regionen. Trotzdem bleibt die Gesamtzeit relevant, vor allem für Kreislauf, Thrombose- und Embolierisiko, Wärmeverlust, Flüssigkeitshaushalt und postoperative Erholung.

Der Unterschied zwischen Wundrisiko und Thromboserisiko

Bei der Bewertung von OP-Dauer muss man zwei Dinge trennen: das lokale Wundrisiko und das allgemeine Körperrisiko.

Das lokale Wundrisiko betrifft die operierte Region selbst. Dazu gehören Wundinfektionen, Nachblutungen, Hämatome, Wundheilungsstörungen oder Serome. Hier spielt eine Rolle, wie lange an einem Gebiet gearbeitet wird, wie stark das Gewebe belastet wird, wie sauber die Präparation erfolgt und wie gut Blutungen während der Operation kontrolliert werden.

Das allgemeine Körperrisiko betrifft den gesamten Organismus. Dazu gehört vor allem das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien. Dieses Risiko hängt weniger davon ab, ob an einer oder an zwei Körperregionen operiert wird, sondern stärker von Gesamt-OP-Zeit, Immobilisation, individueller Gerinnungsneigung, BMI, Alter, Vorerkrankungen und Art des Eingriffs.

Für Patientinnen bedeutet das: Die Frage lautet nicht nur, ob eine Kombination technisch möglich ist. Die Frage lautet, ob sie unter den individuellen Voraussetzungen medizinisch vernünftig ist.

Warum Routine und Setting entscheidend sind

Eine Kombinationsoperation wird nicht allein dadurch sicher, dass sie kurz genug ist. Entscheidend ist auch, wie routiniert das Team arbeitet und unter welchen Bedingungen operiert wird.

Dazu gehört ein erfahrenes Narkoseteam, das Kreislauf, Atmung, Temperatur, Flüssigkeitshaushalt und Gerinnungsrisiken durchgehend im Blick behält. Gerade bei längeren Eingriffen ist die Vermeidung von Unterkühlung wichtig. Wärmedecken während und nach der Operation sind kein Komfortdetail, sondern Teil eines sicheren perioperativen Managements. Der Körper heilt schlechter, wenn er auskühlt, und auch die Gerinnung kann ungünstig beeinflusst werden.

Ebenso wichtig ist die chirurgische Routine. Ein erfahrener Operateur arbeitet nicht nur schnell, sondern vor allem präzise. Ziel ist nicht maximale Geschwindigkeit um jeden Preis, sondern ein möglichst gewebeschonender Ablauf. Weniger Gewebetrauma bedeutet in der Regel weniger Schwellung, weniger Blutungsneigung und bessere Voraussetzungen für die Wundheilung.

Auch die eingesetzte Technik kann eine Rolle spielen. Schonende Verfahren, etwa eine gewebeschonend geplante Liposuktion oder in geeigneten Fällen eine VASER-Liposuktion, können dazu beitragen, das Gewebe kontrollierter zu behandeln. Das ersetzt keine sorgfältige Indikationsstellung, kann aber Teil eines Konzepts sein, das Infektions-, Hämatom- und Wundheilungsrisiken reduziert.

Welche Kombinationen sinnvoll sein können

Dr. med. Hamid Joneidi Jafari nennt die Lipo-Abdominoplastik, also die Verbindung aus Bauchdeckenstraffung und Fettabsaugung, als klassisches Beispiel für eine medizinisch gut begründete Kombination. Beide Eingriffe betreffen dieselbe anatomische Region und ergänzen sich häufig sinnvoll. Die Fettabsaugung verbessert die Kontur, die Bauchdeckenstraffung entfernt überschüssige Haut und kann die Bauchwand stabilisieren.

Auch die Kombination aus Bauchdeckenstraffung und Brustoperation kann sinnvoll sein, wenn OP-Dauer, Gesundheitszustand und Gewebeverhältnisse dafür sprechen. Das fällt häufig in den Bereich des Mommy Makeovers. Entscheidend ist aber, dass daraus kein Baukastenprinzip wird. Nicht alles, was sich kombinieren lässt, sollte auch kombiniert werden.

Kritischer zu bewerten sind sehr große Mehrfacheingriffe, etwa ausgedehnte Straffungen an Bauch, Brust, Armen und Oberschenkeln in einer Sitzung. Solche Operationen können die sinnvolle Zeitgrenze überschreiten und stellen höhere Anforderungen an postoperative Überwachung, Schmerztherapie, Mobilisation und Thromboseprophylaxe. Was in sozialen Medien wie ein unkompliziertes Komplettpaket aussieht, ist medizinisch oft ein anspruchsvoller Mehrfacheingriff.

Warum stationäre Überwachung kein Luxus ist

Bei größeren ästhetischen Eingriffen endet die Verantwortung nicht mit der letzten Naht. Viele relevante Komplikationen zeigen sich nicht im OP, sondern in den Stunden danach: Nachblutungen, Kreislaufprobleme, starke Schmerzen, Übelkeit, Blutdruckabfälle oder erste Hinweise auf eine Thrombose.

Deshalb ist die postoperative Überwachung ein zentraler Sicherheitsfaktor. Nicht jede Einrichtung darf Patientinnen nach einem umfangreichen Eingriff stationär betreuen. Privatkrankenanstalten benötigen nach § 30 der Gewerbeordnung eine Konzession der zuständigen Behörde; dabei geht es unter anderem um medizinische und pflegerische Versorgung sowie bauliche und technische Voraussetzungen.

Das Ästhetik-Centrum am Husemannplatz ist eine solche konzessionierte Einrichtung und zusätzlich nach ISO 9001:2015 sowie durch den Medi-TÜV zertifiziert. Für Patientinnen bedeutet das: Nach umfangreicheren Operationen kann die erste Nacht unter pflegerischer Überwachung erfolgen, mit direkter Erreichbarkeit des Operateurs. Bei kleineren Eingriffen ist eine ambulante Versorgung oft ausreichend. Bei kombinierten größeren Eingriffen kann die Möglichkeit einer stationären Nachbeobachtung aber ein wichtiger Sicherheitsfaktor sein.

Individuelle Voraussetzungen bestimmen, was machbar ist

Ob eine Kombinationsoperation sinnvoll ist, hängt stark von der einzelnen Patientin ab. Gewicht, allgemeiner Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, Rauchen, Medikamente, Gewebequalität, frühere Operationen und das persönliche Thromboserisiko müssen in die Planung einfließen.

Eine gesunde Patientin mit stabilem Gewicht, guten Blutwerten und ohne relevante Vorerkrankungen ist anders zu bewerten als eine Patientin mit erhöhtem BMI, Nikotinkonsum, Gerinnungsrisiken oder chronischen Erkrankungen. Deshalb kann dieselbe Kombination bei einer Patientin vertretbar und bei einer anderen nicht empfehlenswert sein.

Für ein Mommy Makeover gilt deshalb die Empfehlung, den Eingriff erst dann zu planen, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, die letzte Stillzeit mindestens sechs Monate zurückliegt und das Wunschgewicht erreicht wurde. Das hat weniger mit Formalitäten zu tun als mit langfristiger Ergebnisstabilität. Wer nach einer Straffungsoperation erneut schwanger wird oder deutlich an Gewicht schwankt, riskiert, dass sich Gewebe und Haut erneut verändern und das Ergebnis der Operation verloren geht.

Was Patientinnen vor dem Gespräch wissen sollten

Viele Patientinnen kommen mit konkreten Vorstellungen in die Beratung. Das ist verständlich, sollte aber nicht den medizinischen Blick ersetzen. Sinnvoller ist es, zuerst zu beschreiben, was stört: der Bauch, die Brustform, überschüssige Haut, eine Rektusdiastase, Fettdepots oder ein verändertes Körpergefühl. Welche Eingriffe tatsächlich sinnvoll kombinierbar sind, sollte dann auf Basis der Untersuchung entschieden werden.

Wichtig ist auch die Vorbereitung. Blutverdünnende Medikamente dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden, sondern nur nach ärztlicher Rücksprache. Rauchen erhöht das Risiko für Wundheilungsstörungen deutlich und sollte vor und nach der Operation pausiert werden. Auch die Erholungszeit muss realistisch eingeplant werden. Nach einem Mommy Makeover sind körperliche Schonung und eine längere Sportpause keine Vorsichtsmaßnahme aus Übertreibung, sondern Teil einer normalen Heilungsphase.

Fazit: Effizienz ist sinnvoll, aber nur mit Sicherheitskonzept

Kombi-Eingriffe können medizinisch sinnvoll sein. Sie können eine zweite Narkose vermeiden, die Erholungszeit bündeln und ein harmonisches Gesamtergebnis ermöglichen. Entscheidend ist aber, dass die Kombination nicht allein nach Wunschliste geplant wird.

Die OP-Dauer bleibt ein wichtiger Risikofaktor, muss aber differenziert betrachtet werden. Eine vierstündige Operation in einem einzigen OP-Gebiet ist anders zu bewerten als eine vierstündige Kombinationsoperation, bei der die Zeit auf mehrere Regionen verteilt ist. Für Wundinfektionen zählt besonders, wie lange ein einzelnes Gebiet offen und belastet ist. Für Thrombosen und Embolien zählt vor allem die Gesamtbelastung des Körpers.

Deshalb braucht es bei Kombinationsoperationen drei Dinge: eine realistische Indikationsstellung, ein routiniertes chirurgisches und anästhesiologisches Team sowie ein Setting, das auch die postoperative Überwachung sicher abbilden kann. Oder, wie Dr. med. Hamid Joneidi Jafari es formuliert: „Effizienz darf nie vor Sicherheit gehen.“ Dieser Satz ist keine Floskel. Er ist die Grundlage jeder verantwortungsvollen Entscheidung in der plastischen Chirurgie.

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