Baustellen, Bahnprobleme und Staus setzen Wuppertals Pendler unter Druck

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Mehr als 100.000 Beschäftigte pendeln täglich über die Stadtgrenze

Für Zehntausende Beschäftigte gehört das Pendeln zum Arbeitsalltag. Gleichzeitig sorgen Baustellen auf Straßen und Schienen sowie wiederkehrende Störungen im Bahnverkehr für zusätzliche Belastungen. Auch die Kosten für den täglichen Arbeitsweg sind für viele Haushalte zu einem wichtigen Faktor geworden.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verlassen rund 56.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die in Wuppertal wohnen, regelmäßig die Stadt für ihren Arbeitsplatz. Das entspricht 41,9 Prozent der knapp 135.000 Beschäftigten mit Wohnort Wuppertal. Umgekehrt kommen täglich mehr als 52.900 Beschäftigte aus anderen Kreisen zur Arbeit nach Wuppertal. Der Anteil der Einpendler an allen Beschäftigten in der Stadt liegt bei 40,3 Prozent.

Beide Gruppen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Die meisten Wuppertaler Auspendler arbeiten im Kreis Mettmann, in Düsseldorf, Remscheid oder im Ennepe-Ruhr-Kreis. Bei den Einpendlern stehen der Ennepe-Ruhr-Kreis, der Kreis Mettmann, Remscheid und Solingen an der Spitze.

Das Verhältnis zwischen Ein- und Auspendlern gilt aus Sicht der Industrie- und Handelskammer als ausgewogen. Im Vergleich dazu weist Solingen einen deutlichen Überschuss an Auspendlern auf, während in Remscheid mehr Menschen zur Arbeit einpendeln als die Stadt verlassen.

Hohe Belastung durch Baustellen und Zugausfälle

Für Pendler hat sich die Situation zuletzt deutlich erschwert. Auf der A 46 führen umfangreiche Bauarbeiten regelmäßig zu Einschränkungen. Gleichzeitig beeinträchtigen Arbeiten an den Bahnstrecken den regionalen Zugverkehr. Hinzu kommen hohe Ausgaben für Kraftstoff und teilweise teure Bahntickets.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert deshalb eine finanzielle Entlastung für Berufspendler. Nach dem Vorschlag der NGG sollte der Staat unabhängig vom Einkommen ein Mobilitätsgeld von 17 Cent je Kilometer zahlen oder diesen Betrag beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigen. Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen seien von den steigenden Kosten betroffen, insbesondere wenn der Weg zur Arbeit mit dem Auto zurückgelegt werden müsse.

Auch die Fahrpreise im Bahnverkehr werden von der Gewerkschaft kritisch bewertet. Vor allem im Fernverkehr könnten die Kosten für regelmäßige Fahrten erheblich ins Gewicht fallen.

Viele Bauprojekte gleichzeitig

Die zahlreichen Baustellen in Wuppertal sind nicht auf einen einzelnen Bereich beschränkt. Die Stadt arbeitet unter anderem an Brücken und Fahrbahnen. Die Wuppertaler Stadtwerke sind mit Projekten zum Hochwasserschutz sowie an der Fernwärme- und Strominfrastruktur beschäftigt. Hinzu kommen Arbeiten der Autobahn GmbH auf der A 46, Bauarbeiten der Deutschen Bahn an den Gleisanlagen und die Verlegung von Glasfaserleitungen.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, Sedat Ugurman, lässt sich die gleichzeitige Durchführung vieler Projekte trotz Abstimmungen zwischen den beteiligten Stellen nicht vollständig vermeiden. Für die Bevölkerung bedeute dies eine erhebliche zusätzliche Belastung. Gleichzeitig verweist er auf die Bedeutung eines stabilen öffentlichen Nahverkehrs. Busse und Schwebebahn müssten gerade während der umfangreichen Bauarbeiten zuverlässig funktionieren. Zugleich bestehe weiterhin Bedarf, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen.

Bahnverkehr nach Köln und Düsseldorf besonders problematisch

Besonders schwierig war die Situation zuletzt im regionalen Bahnverkehr. Über Monate wurden Verbindungen in Richtung Köln, Düsseldorf und ins Ruhrgebiet durch Ersatzbusse ersetzt. Auch nach Abschluss der Sanierung der Strecke zwischen Hagen, Wuppertal und Köln kam es weiterhin zu Verspätungen und Zugausfällen.

Beschädigte Weichen und Stellwerke sowie der schlechte Zustand der Wupperbrücke bei Opladen führten wiederholt zu Einschränkungen. In Richtung Düsseldorf kam es zeitweise zu besonders starken Behinderungen. Viele Pendler mussten ihre Abfahrtszeiten vorverlegen, um trotz der Unzuverlässigkeit rechtzeitig am Arbeitsplatz anzukommen.

Die Industrie- und Handelskammer bewertet die vergangenen Monate als erhebliche Belastung für die Nutzer des öffentlichen Verkehrs in Wuppertal. Die wiederholten Störungen hätten die Geduld vieler Pendler stark beansprucht.

A 46 bleibt über Jahre ein Engpass

Auch für Autofahrer bleibt die A 46 ein langfristiger Problembereich. Die Sanierungsarbeiten sollen sich voraussichtlich bis in die frühen 2030er-Jahre erstrecken. Von insgesamt 31 Brücken auf Wuppertals wichtigster Autobahn sollen 20 erneuert werden.

Aktuell führen unter anderem Lärmschutzarbeiten zwischen Wuppertal-Sonnborn und Haan-Ost zu Einschränkungen der Fahrbahn. Die Folgen reichen über den individuellen Zeitverlust hinaus. Staus und unplanbare Fahrzeiten können insbesondere für Speditionen und andere Unternehmen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Industrie- und Handelskammer vor den Folgen des schlechten Zustands der Straßen im Bergischen Land gewarnt. Die Vielzahl maroder Verkehrswege, Baustellen und daraus resultierender Staus könne zunehmend zu einem Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit und damit für den Wirtschaftsstandort werden.

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