Evangelische Sommersynode in Wuppertal stellt Weichen für strukturelle Reformen

Norbert Sdunzik/CCA



Wuppertal – Im Rahmen der Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal haben die Delegierten am Pfingstsamstag zentrale Beschlüsse für die künftige Ausrichtung kirchlicher Arbeit gefasst. In der Gemarker Kirche standen unter anderem neue Leitungsmodelle, finanzielle Anpassungen im diakonischen Bereich sowie strukturelle Reformen in Bildung und Jugendarbeit im Mittelpunkt.

Leitungsstruktur wird grundlegend verändert

Eine der bedeutendsten Neuerungen ist die Einführung eines geteilten Superintendentenamtes ab dem Jahr 2026. Dieses Modell sieht vor, dass zwei Pfarrerinnen oder Pfarrer das Amt gemeinsam und jeweils zur Hälfte nebenberuflich ausüben, während sie gleichzeitig mit 50 Prozent ihrer Stellen in gemeindlichen oder kreiskirchlichen Aufgabenbereichen tätig bleiben. Ziel dieser Strukturreform ist eine stärkere Rückbindung der Kirchenleitung an die Gemeindebasis, die Förderung von Teamarbeit sowie eine bessere Nutzung individueller Kompetenzen in der Leitungsebene. Die Wahl des neuen Leitungstandems soll im Rahmen der Herbstsynode 2025 erfolgen, mit Beginn der Amtszeit im Frühjahr 2026 – zeitgleich mit dem Ausscheiden der aktuellen Superintendentin.

Deutliche Kürzungen im Diakoniebudget

Im Hinblick auf sinkende Kirchensteuereinnahmen beschloss die Synode einschneidende Kürzungen bei der finanziellen Unterstützung der Diakonie Wuppertal. Die Zuweisung aus Kirchensteuermitteln wird schrittweise bis 2030 von derzeit 1,2 Millionen Euro auf 500.000 Euro reduziert. Um andere kirchliche Arbeitsbereiche wie CityKirche, Krankenhausseelsorge, Jugendarbeit und die Begleitung von Religionslehrkräften weiter sichern zu können, war diese Maßnahme laut Synode notwendig.

Künftig sollen die verbleibenden Mittel gezielt in diakonische Aufgabenbereiche fließen, für die staatliche Förderungen kaum oder gar nicht zur Verfügung stehen. Dazu zählen insbesondere die Frühförderung junger Familien, die Beratung von Geflüchteten, die Betreuung in Kirchenasylen sowie die Quartiersarbeit und die Unterstützung von wohnungslosen Menschen.

Bündelung von Arbeitsbereichen und Bildungsinitiativen

Ein weiterer Reformschritt betrifft die organisatorische Neuordnung kirchlicher Referate. Das Jugendreferat, das Schulreferat und das Referat für Kirchenmusik werden künftig unter dem Dach eines gemeinsamen Referats für evangelische Bildung zusammengeführt. Diese Maßnahme soll Synergien schaffen und die Effizienz in der inhaltlichen Arbeit erhöhen. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit dem geplanten Bildungscampus der Evangelischen Kirche im Rheinland auf dem „Heiligen Berg“ vorgesehen.

Auch die Krankenhausseelsorge wird neu strukturiert. Zukünftig soll sie enger an die Kirchengemeinden angebunden und durch eine verbesserte Ausbildung ehrenamtlicher Seelsorgender gestärkt werden.

Jugendbeteiligung wird institutionell verankert

Mit dem neuen Jugendvertretungsgesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland, das seit Februar in Kraft ist, erhalten junge Menschen künftig einen festen Platz in den Entscheidungsgremien des Kirchenkreises und der Gemeinden. Die Synode begrüßte diesen Schritt als wichtigen Beitrag zur gelebten Teilhabe und nachhaltigen Verankerung von Jugendperspektiven in der kirchlichen Arbeit.

Weitere Themen im Fokus

Neben den strukturellen und finanziellen Weichenstellungen befassten sich die rund 100 stimmberechtigten Mitglieder der Synode auch mit weiteren wichtigen Themen. Dazu gehörten der Stand der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt innerhalb des Kirchenkreises, Maßnahmen zur energetischen Sanierung kirchlicher Gebäude sowie mögliche Kooperationen mit benachbarten Kirchenkreisen in der Bergischen Region.

Die Beschlüsse der Synode wurden nach intensiven Beratungen mit den beteiligten kirchlichen Arbeitsbereichen getroffen und spiegeln den Versuch wider, auf die veränderten Rahmenbedingungen mit einer fokussierten, zugleich tragfähigen Neuorientierung kirchlicher Arbeit zu reagieren.

Das könnte Dich auch interessieren

Verkehrsunfall auf der A43 am Autobahnkreuz Wuppertal-Nord

Nach Drogen- und Alkoholfahrt: 19-Jähriger zu Sozialstunden verurteilt

Botanischer Garten lädt zu Naturwissen, Tai Chi und Yoga auf die Hardt ein