Mit der Geige auf der Bühne: Musikerin prägt „Der Sandmann“ im Wuppertaler Opernhaus

Daniel H/CCA



Wuppertal. Die Violinistin Lydia Stettinius wirkt in der aktuellen Inszenierung von E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ im Opernhaus Wuppertal nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch mit. Ihre Rolle geht dabei über die klassische Begleitung hinaus: Sie ist integraler Bestandteil der Handlung und verleiht dem Geschehen durch ihr Spiel eine zusätzliche erzählerische Ebene.

Die Produktion setzt bewusst auf Live-Musik auf der Bühne. Unter der musikalischen Leitung von Hajo Wiesemann entstand ein Konzept, das ursprünglich ein Streicherensemble vorsah, aus wirtschaftlichen Gründen jedoch auf eine Soloposition reduziert wurde. In der Inszenierung von Karsten Dahlem übernimmt Stettinius eine Doppelrolle: Sie begleitet die Figur des „Olymp“, eine moderne Interpretation der literarischen Figur Olympia, und fungiert zugleich als musikalisches Gegenüber.

Die künstlerische Arbeit zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von Musik und Schauspiel aus. Die Geigerin interpretiert nicht nur komponierte Passagen, sondern arbeitet mit Improvisationen und stilistischen Brüchen. Elemente aus Klassik, zeitgenössischer Musik sowie Einflüsse aus Pop und Techno verbinden sich zu einem vielschichtigen Klangbild, das die Handlung atmosphärisch verstärkt und weiterführt.

Stettinius, Jahrgang 1997, entdeckte früh ihre Leidenschaft für die Violine, geprägt durch das musikalische Umfeld ihrer Familie. Ihre Ausbildung begann in Chemnitz, wo sie unter anderem im Landesjugendorchester spielte. Nach dem Schulabschluss führte sie ihr Weg nach Wuppertal, wo sie an der dortigen Musikhochschule studierte. Neben einem Abschluss in Instrumentalpädagogik erwarb sie einen weiteren Bachelor im Fach Violine und setzt ihr Studium derzeit im Masterstudiengang Barockvioline fort.

Parallel zu ihrer Bühnenarbeit engagiert sich Stettinius in verschiedenen musikalischen Projekten. Gemeinsam mit Sophie Oertel bildet sie das Duo Micans, das sich experimentellen Konzertformaten widmet und dabei auch interdisziplinäre Ansätze verfolgt. Darüber hinaus ist sie seit mehreren Jahren in der musikpädagogischen Arbeit tätig. An der Bergischen Musikschule betreut sie unter anderem das „Ensemble Diversity“, eine generationenübergreifende Gruppe mit breitem musikalischem Spektrum, die im vergangenen Jahr für ihr inklusives Konzept ausgezeichnet wurde.

Die Arbeit an „Der Sandmann“ stellte für die Musikerin eine neue Herausforderung dar. Die musikalischen Strukturen entwickelten sich erst im Probenprozess, der von Improvisation und enger Abstimmung mit Regie und Ensemble geprägt war. Neben dem Spiel auf der Violine erforderte die Produktion auch schauspielerische Präsenz, was eine intensive Auseinandersetzung mit Bühnenwirkung und Körpersprache notwendig machte.

Die Verbindung aus Musik und Schauspiel trägt dazu bei, insbesondere jüngeren Zuschauern einen Zugang zur modernen Interpretation des Stoffes zu eröffnen. Die Inszenierung schlägt eine Brücke zwischen der literarischen Vorlage und zeitgenössischen Ausdrucksformen.

Weitere Aufführungen sind für den 11. April sowie für Mai, Juni und Juli geplant.

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