Die Polizei in Nordrhein-Westfalen setzt im Rahmen eines Pilotprojekts erstmals eine neue Ortungstechnologie für Notrufe über die Rufnummer 110 ein. Ziel ist es, Einsatzkräfte schneller an den Ort eines Notfalls zu bringen, wenn Anrufer ihren Standort nicht angeben können oder das Gespräch vorzeitig endet.
Wie wirkungsvoll das System bereits ist, zeigte sich kürzlich bei einem Notruf aus Remscheid. Ein Mann meldete telefonisch, dass er angegriffen werde, bevor die Verbindung abbrach. Mithilfe der neuen Technik konnte sein Aufenthaltsort innerhalb weniger Sekunden ermittelt werden, sodass Einsatzkräfte umgehend zum Tatort entsandt werden konnten.
Die Standortübermittlung erfolgt automatisch, sobald ein Notruf von einem Mobiltelefon aus abgesetzt wird. Ist der Anrufer nicht in der Lage, seinen Aufenthaltsort zu nennen, können die Leitstellen die übermittelten Positionsdaten nahezu metergenau abrufen. Gerade bei zeitkritischen Einsätzen kann dies entscheidende Minuten sparen.
Von der neuen Technik profitieren unterschiedlichste Einsatzlagen. Sie kommt unter anderem bei Fällen häuslicher Gewalt, körperlichen Angriffen, Verfolgungen oder Bränden zum Einsatz. Besonders in Situationen, in denen Betroffene aus Sicherheitsgründen nicht sprechen können oder ihren Standort nicht kennen, ermöglicht die Ortung eine schnelle Alarmierung der Einsatzkräfte.
Nach Angaben der Polizei wurde das System innerhalb weniger Wochen bereits mehr als 180 Mal genutzt. In einem Fall konnte eine Frau, die während einer Taxifahrt bedrängt wurde und keinen gesprochenen Notruf absetzen konnte, durch die automatische Übermittlung ihrer Standortdaten schnell lokalisiert und aus der Gefahrenlage befreit werden.
Für die Leitstellen bedeutet die neue Technik zugleich eine erhebliche Arbeitserleichterung. Bislang mussten Standortdaten in solchen Fällen über die Mobilfunkanbieter angefordert werden, was zusätzliche Zeit in Anspruch nahm und Kosten verursachte. Durch die automatische Übermittlung stehen die Informationen nun unmittelbar zur Verfügung, wodurch Einsätze schneller eingeleitet werden können.
Grundlage des Systems ist die Technologie Advanced Mobile Location (AML), die bereits auf den meisten modernen Smartphones integriert ist. Während die Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen diese Funktion bereits seit längerer Zeit nutzt, steht sie der Polizei nun ebenfalls zur Verfügung. Die übermittelten Standortdaten werden aus Datenschutzgründen zentral gespeichert und nach 60 Minuten automatisch gelöscht.
Neue Ortungstechnik ermöglicht Polizei schnellere Hilfe bei Notrufen
Daniel H/CCA