Kein Eigenkapital, kein technisches Risiko: Markus Baumann erklärt das Geschäftsmodell hinter dem neuen Peak-Shavin g-Angebot von aurivolt für Industrie- und Gewerbekunden.
Eine Viertelstunde entscheidet über die ganze Jahresrechnung
Fragen Sie mal einen Betriebsleiter, wann seine Stromrechnung wirklich teuer wird. Die Antwort hat fast nie etwas mit dem Jahresverbrauch zu tun. Es ist der eine Moment, in dem alle Maschinen gleichzeitig anlaufen, die Kühlung hochfährt und die Presse startet. Genau diese Viertelstunde schreibt der Netzbetreiber fest und rechnet sie auf zwölf Monate hoch. Wer diesen Mechanismus einmal verstanden hat, versteht auch, warum Batteriespeicher zur Lastspitzenkappung im Mittelstand gerade so viel Gesprächsstoff liefern. Wer sich vorab selbst ein Bild machen möchte, kann beim Anbieter aurivolt sein eigenes Lastprofil kostenlos durchrechnen lassen, dazu gleich mehr.
Der Kostendruck ist bekannt, die Lösung bislang teuer
Steigende Netzentgelte, ein Strommarkt, der sich von einer Stunde zur nächsten drehen kann, und ein Preisdruck, der produzierenden Betrieben kaum noch Luft lässt: Das Problem kennt im deutschen Mittelstand inzwischen fast jeder. Die technische Antwort darauf, ein Batteriespeicher, der Lastspitzen abfängt, gilt in der Energiebranche längst als eine der wirkungsvollsten Stellschrauben, um Stromkosten dauerhaft zu senken. Nur zwischen der Erkenntnis und der Umsetzung liegt in vielen Betrieben eine ziemlich hohe Mauer. Sie heißt Investition, und sie schreckt gerade kleinere und mittlere Unternehmen ab, deren Kapital ohnehin meist im Tagesgeschäft steckt statt auf der hohen Kante.
Betreiber statt Verkäufer: das Geschäftsmodell hinter dem Angebot
Genau an diesem Punkt setzt die aurivolt GmbH aus Löhne an. Das Unternehmen betreibt eine eigene, dezentral verteilte Flotte von Batteriespeichern in Deutschland und handelt sie täglich an der Strombörse EPEX Spot, nach eigenen Angaben mit demselben System, das nun auch Industrie- und Gewerbekunden zur Verfügung stehen soll. Statt Anlagen zu verkaufen, bietet aurivolt Peak Shaving als durchgehende Dienstleistung an: geplant, installiert und betrieben vom Anbieter selbst, ohne dass der Kunde investieren oder den Betrieb später selbst steuern muss.
„Der Unternehmer soll sich um seine Produktion kümmern, nicht um Batteriemanagement“, sagt Gründer und Geschäftsführer Markus Baumann. „Wir übernehmen die komplette Strecke: Analyse des Lastprofils, Auslegung, Installation, Betrieb und die Vermarktung am Strommarkt. Der Kunde sieht am Ende vor allem eines, eine dauerhaft kleinere Stromrechnung.“ Baumann bringt nach Unternehmensangaben rund drei Jahrzehnte unternehmerische Erfahrung mit, zunächst in der dezentralen Wasser- und Umwelttechnik, später in der Photovoltaik-Branche, bevor er aurivolt gründete.
Wie der Speicher gleichzeitig spart und verdient
Wie das rechnerisch funktioniert, ist im Grunde simpel, auch wenn die Technik dahinter es nicht ist. Der Speicher springt genau dann ein, wenn der Betrieb kurzzeitig besonders viel Strom zieht, und hält so den Netzbezug unter der Grenze, die für die Netzentgelte entscheidend ist. Das allein würde die Investition schon rechtfertigen, doch der eigentliche Clou liegt in der übrigen Zeit. Den Rest des Jahres, und das sind mit Abstand die meisten Stunden, bleibt die Batterie nicht untätig. Sie kauft Strom, wenn er günstig ist, verkauft ihn, wenn die Preise steigen, und optimiert nebenbei den Eigenverbrauch, falls eine PV-Anlage auf dem Dach liegt. Statt tagsüber überschüssigen Solarstrom günstig einzuspeisen, lässt sich dieser Strom so auch abends nutzen, wenn er im Betrieb tatsächlich gebraucht wird. Man könnte den Speicher fast mit einem cleveren Einkäufer vergleichen, der nie schläft und nie eine günstige Gelegenheit verpasst.
Dass sich dieser vierte Hebel, der automatisierte Handel am Markt, überhaupt lohnt, hat auch mit der aktuellen Marktlage zu tun. 2025 wurden in Deutschland so viele Stunden mit negativen Börsenstrompreisen registriert wie nie zuvor, nämlich 573, ein Trend, der sich laut Marktbeobachtern 2026 fortsetzt. Für einen Speicher, der ohnehin dann kauft, wenn Strom nichts oder sogar negativ kostet, ist das ein Umfeld, das die Wirtschaftlichkeit tendenziell verbessert, auch wenn sich daraus keine pauschale Erfolgsgarantie ableiten lässt.
Für welche Betriebe sich das Modell eignet
Für welche Betriebe sich das lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten, aber ein Muster zeichnet sich ab. Am ehesten profitieren Unternehmen mit stark schwankendem Lastprofil und Stromkosten im sechsstelligen Bereich pro Jahr, dieser Richtwert stammt direkt von aurivolt selbst und dient dort als erste Orientierung, nicht als Zusage. Das betrifft in der Praxis vor allem produzierende Betriebe mit taktenden Maschinen, Logistikzentren mit Kühlketten, die rund um die Uhr laufen müssen, Bäckereien mit ihren energiehungrigen Öfen oder landwirtschaftliche Betriebe mit Melkanlagen und Kühltanks, deren Lastspitzen typischerweise kurz, aber heftig ausfallen. Auch Unternehmen, die gerade ihre Nutzfahrzeugflotte elektrifizieren wollen, tauchen in diesem Zusammenhang auf: Ladeleistungen von 150 bis 400 Kilowatt pro Ladepunkt sprengen schnell jeden bestehenden Netzanschluss, und ein Speicher kann diese Ladespitzen abfedern, ohne dass ein neuer, oft jahrelang dauernder Netzanschluss beantragt werden muss. Ob sich die Investition, beziehungsweise in diesem Fall der Verzicht darauf, konkret rechnet, hängt am Ende aber immer vom individuellen Lastgang ab, nicht von der Branche allein.
Abgrenzung zum klassischen Projektgeschäft
Wichtig ist Baumann die Abgrenzung zu klassischen Projektanbietern, die eine Anlage errichten und anschließend das Feld räumen. „Wir verkaufen keine Anlage und verschwinden dann. Wir bleiben Betreiber, mit demselben System, mit dem wir unsere eigenen Speicher steuern. Das ist der Unterschied zwischen einem Versprechen und einem Beweis.“ Diese Rolle als Dauerbetreiber statt als reiner Anlagenbauer zieht sich durch das gesamte Geschäftsmodell des Unternehmens, das auch im Investorenbereich auf demselben Prinzip aufbaut: Eigentum und Betrieb werden bewusst getrennt, der Kunde muss sich um keines der beiden operativen Details kümmern.
Was von außen bleibt: eine Einordnung ohne Versprechen
Ob dieser Anspruch sich am Ende in echten Einsparungen niederschlägt, lässt sich von außen kaum pauschal beurteilen. Dafür ist jeder Lastgang zu individuell, und belastbare, unabhängig geprüfte Zahlen zu diesem noch jungen Angebot liegen bislang nicht vor. Wer trotzdem wissen will, ob sich das Modell für den eigenen Betrieb rechnet, kommt um eine Sache nicht herum: die eigenen Verbrauchsdaten. Interessierte Unternehmen können ihr Lastprofil im kostenlosen aurivolt Standort-Check analysieren lassen und erhalten so eine konkrete, auf ihre eigenen Zahlen gestützte Einschätzung statt einer allgemeinen Modellrechnung aus dem Prospekt.